I. Gustav IL Adolph, König von Schweden. J 73
fremd. Wenn man ihn warnte, erwiderte er lächelnd: »Bis jetzt ist nochkein König von einer Kanonenkugel getödtet worden«; oder er fügte mitWürde hinzu: »Das Vertrauen auf Gott ist die beste Vorsicht«, oder: »Giebtes wohl einen schönern Tod für einen König, als für sein Volk und die ge-.rechte Sache zu fallen!« Fast unmöglich ist es, alle die Todesgefahren, denener sich in seinen Feldzügen ausgesetzt, herzuzählen. Neun grosse Schram-men , ausser den an seinem Todestage erhaltenen Wunden, bewiesen dies.Drei Mal wäre er fast ertrunken, bei Wüsche, Demmin und Browiken; imletzten Falle ertrank sein Pferd, und er selbst rettete nur mit Mühe sein Leben.Einst warnte man ihn, die Bergwerke von Fallun zu besichtigen. »Was,« er-widerte er, »darf denn der König nicht einmal die beste Schatzkammer desKeiches besuchen?«
Nur Wenige haben sich einer so grossen und unbedingten Hochachtungwie Gustav Adolph zu erfreuen gehabt, und dieses sogar auch von seinenFeinden. »Er ist der grösste König der Welt«, sagte der Papst. Mit Bewun-derung erwähnen die Katholiken seine vielen Tugenden, sein streng kriegerischesLeben, seine Gerechtigkeit, seine Sittenremheit und Keligiosität, wie seinewahrhafte Gottesfurcht, wenn auch in einem »ketzerischen Glauben«. Fastnicht eine Schmähschrift erschien gegen diesen ihren Todfeind. Bis an dieentferntesten Grenzen Europas, bis zu den halbwilden Fürsten und Völkernerstreckte sich sein Ruhm. Die Türkei suchte seine Freundschaft, die Tatarenschickten ihm Gesandte, um ihn zu beglückwünschen, und der Grossfürst vonMoskau Hess ihn seiner Ergebenheit und Bewunderung versichern. So sahendie Ausländer auf ihn und selbst seine Feinde vergötterten ihn. Im. schwe-dischen Heere dienten eine Menge Engländer und Schotten, die von Hassgegen die päpstliche Gewalt und von schwärmerischer Liebe für den prote-stantischen Glauben beseelt waren. Für sie war Gustav Adolph der neueJudas Maccabäus, der nordische Löwe, wie früher der judäische, und zugleichdas Lamm der Unschuld, das sein reines Blut für die Errettung der Glaubens-genossen dahin gab. Kurz vor der Schlacht bei Lützen war ein grosser Theilder schottischen Regimenter nach Schweden gesandt worden, weshalb dieletztern auch keinen Antheil an der Schlacht nehmen konnten. Aeusserstrührend ist ihre Klage darüber, dass es ihnen nicht vergönnt gewesen ist, mitihrem geliebten Könige Gustav in den Tod zu gehen. Ebenso, wenn nichtmehr, vergötterten ihn die Protestanten Deutschlands, die er von bürgerlicherund geistiger Sklaverei befreit, weshalb auch ihre Nachkommen nie aufhörenwerden, sein Andenken zu segnen. Die Schweden liebten und achteten ihrengrössten König, mit welchem höchstens nur sein grosser, nicht weniger ge-liebter Grossvater vergleichen werden konnte. Axel Oxenstjerna stellt GustavAdolph über Alle: »Nie«, schreibt er, »hatte Schweden einen so grossen König.Gustav Adolph der Grosse und Vater des Vaterlandes sind Titel, die er mitvollem Rechte von uns verdient. In der ganzen Welt giebt es weder jetzt noch