I. Gustav II. Adolph, König von Schweden. 171
wo er das Gegentheil bemerkte, verwies er es streng. Dem Zeitgeiste gemässwaren die dabei gebrauchten Ausdrücke äusserst kräftig. Den Vögten*) drohteer damit, dass sie für ihre Nachlässigkeit mit dem Kopfe zahlen oder den Strickals Halsgeschmeide erhalten würden; man erkennt in ihm den Sohn KaiTs IX.Einst war der König mit einem Officier unzufrieden, der den ihm aufgetragenenBau einer Befestigung äusserst langsam und saumselig betrieb und sich damitzu entschuldigen suchte, dass die Erde zu hart gefroren und daher das Grabenunmöglich sei; der König erwiderte darauf: »Für faule Schweine ist die Erdeimmer gefroren!«, ein volksthümliches Sprichwort, das sein Vater, Grossvaterund seine Oheime bei ähnlichen Gelegenheiten anzuwenden liebten.
Erhaben über persönlichen Eigennutz und persönliche Schwächen hatte ernicht nöthig, die Gerichte zu meiden. In Folge einer Klage, ein Besitzrechtbetreffend, erschien er einst im Hofgerichte, erinnerte die Beamten daran, dasssie ohne Ansehen der Person dem Gerichte freien Lauf lassen müssten, und be-lobte sie, als sie ein für den König ungünstiges Urtheil in der Sache gefällt,das aber, wie sich in der Folge erwies, vollkommen gerecht war.
Gustav Adolph liebte Wissenschaften und Leetüre. Da er früh denThron bestiegen und noch früher an den Regierungsgeschäften Theil genommen,so war es ihm nicht möglich gewesen, seine Bildung ruhig zu vollenden. Nochals König, berief er in freien Stunden seinen früheren Lehrer Johannes Skytte,um unter dessen Anleitung seine Studien fortzusetzen. Xenöphon, Seneca-undbesonders Hugo Grotius waren seine Lieblingsschriftsteller. Mit der Geschichtebeschäftigte er sich gern und nannte sie die Führerin des Lebens. Nur gegendie Metaphysik war er gleichgültig, — möglich, dass Skytte und die römischenPhilosophen dies bewirkt haben. Auch als Schriftsteller zeichnete sich GustavAdolph aus. Seine Gedichte, wenn sie auch keine Meisterwerke sind, tragendas Gepräge reiner und erhabener Gefühle. In der Regierungsgeschichte seinesVaters tritt er als vorzüglicher Geschichtschreiber auf, sowohl hinsichtlich desGeistes als auch der Art und Weise seiner Auseinandersetzung. Unzweifelhaftwar er der erste Redner seiner Zeit.
Das Gemüth des Königs war äusserst sanft und freundlich und zwar ineinem so hohen Grade, dass Viele ihn deshalb tadelten, ohne zu wissen, dass erdie Fähigkeit besass, sein freundliches Benehmen mit fürstlicher Würde zuvereinen. Er liebte es sich vertraulich zu unterhalten, nicht nur mit Personenaus seiner Umgebung, sondern auch mit anderen seiner Unterthanen, ohneUnterschied des Standes. Oft unterhielt er sich mit erfahrenen Beamten derStaatsbehörden und der Provinzial-Verwaltungen, mit achtbaren Bürgern, jasogar mit Landleuten, die er aufmunterte oder ihnen nützliche Rathschläge gab.Besonders freundlich war er gegen alte verdiente Soldaten. Viele derselben
*) Der Kronvogt — der höchste Vorgesetzte im Kreise hinsichtlich der exe-cutiven Gewalt.