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Abth. 3, Die Neuzeit Bd. 1 (1874) Kriege der I. Hälfte des XVII. Jahrhunderts, der Dreissigjährige Krieg : 1618 - 1648
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170 Beilagen.

die schönsten Hoffnungen seiner Jugend*) zerstört hatte und die sich bemühte,seinen jüngeren Bruder Karl Philipp gegen ihn aufzureizen, war die geheimeAnstifterin vieler dem Staate gefährlicher und ihm selbst widerwärtiger Vorfälle,— aber trotzdem erwies er ihr immer die grösste kindliche Hochachtung undErgebenheit und gab in Allem, was'nicht gegen das Wohl des Staates, wie gegenseine Pflichten als Monarch war, ihren Launen nach. Mit unverstellter brüder-licher Liebe seinen beiden Nebenbuhlern, den Herzögen Johann und KarlPhilipp entgegentretend, erwarb er sich ihre unverbrüchliche Freundschaft.Treu seiner Gemahlin, war er stets bemüht, ihre Schwäche zu verbergen. SeinBetragen gegen seine Schwester, die Markgräfin Katharina, und gegen seinenFreund Axel Oxenstjerna ist das glänzendste Beispiel schöner und edler Bruder-liebe und unerschütterlicher Freundschaft.

Selbst ein so reines und tadelloses Leben führend, litt er in seiner Um-gebung keine lasterhaften Menschen. Angebereien und Verläumdungen wieser mit Verachtung zurück; Kartenspiel, Trinkgelage uud Ausschweifungenwaren aus seiner Nähe verbannt, weshalb auch einige junge Leute, die dazuneigten, ohne Nachsicht gänzlich vom Hofe verwiesen wurden ; die Uebrigenwurden daher vorsichtiger. Die Gemächer des Königs von Schweden warennicht nur die Stätte des kriegerischen Kuhmes, der Wissenschaften, Künste undder Liebenswürdigkeit, sondern auch die der Religiosität, der Gerechtigkeitund der reinen Sitten, weshalb die Bewohner Schwedens, ihre Blicke dahinwendend, nicht nur den ihnen von dort entgegenströmenden Glanz bewunderten,sondern auch mit Ehrfurcht und inniger Liebe alles, was diese Wände in sichschlössen, betrachteten, daher denn auch das von oben kommende Beispielwohlthuend auf den ganzen Staat einwirkte. Gustav Wasa, Gustav Adolph unddie drei gleich gesinnten Karle waren in dieser Hinsicht die wahren Väter desVaterlandes, denn durch Gesetze und Beispiele entwickelten sie im Volke jenenCharakter der Kraft, der Festigkeit, der Tugend und Biederkeit, der dieeinzige Grundlage des wahren Glückes sowohl einzelner Menschen, als ganzerStaaten bildet.

Gustav Adolph liebte den Glanz und die Erhabenheit, doch nur in persön-lichen Verdiensten und Bestrebungen und nicht in Sitten und Gebräuchen.Seine Lebensweise war eine äusserst einfache und massige, ebenso wie seineKleidung in Kriegs- und Friedenszeiten; bei feierlichen Gelegenheiten jedochentwickelte er eine diesen entsprechende Pracht.

Der König hassfe den Müssiggang und die Vergnügungssucht. Er selbstarbeitete unermüdlich. Schon als Knabe beschäftigte er sich mit seinen Studienoft bis lange nach Mitternacht. Der Jagd, den Spazierfahrten des Hofes undanderen ähnlichen Zerstreuungen entsagte er früh, indem er fast alle seine Zeitden Staatsgeschäften widmete. Von seinen Beamten verlangte er dasselbe, und

*) Indem sie ihn von der von ihm vergötterten Ebba Brahe trennte.