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Abth. 3, Die Neuzeit Bd. 1 (1874) Kriege der I. Hälfte des XVII. Jahrhunderts, der Dreissigjährige Krieg : 1618 - 1648
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I. Gustav II. Adolph, König von Schweden. 169

Blicke, in den Zügen seines Antlitzes, wie in seiner ganzen Person lagen selt-sam vereinigt nachsichtige Sanftmuth, fürstliche Würde und Grösse.

Wenige nur waren mit so ausgezeichneten Fähigkeiten wie Gustav Adolphbegabt. Mit scharfem und raschem Blicke durchdrang er Alles, mochten esprivate oder allgemeine Angelegenheiten sein; schon als Jüngling war er indieser Hinsicht glücklicher, -als so mancher im Staatsdienste ergraute Würden-träger. Zugleich besass er die Fähigkeit, ohne alle Vorbereitung seine Ge-danken äusserst klar und auf eine angenehme Weise auszudrücken; durchseine angenehme Stimme und die Anmuth seiner Körperbewegungen wurde erfast ein besserer Redner, als sein berühmter Grossvater; man sagte von ihm,»er habe mit seiner Zunge eben so Viele wie mit dem Schwerte besiegt«. —

Sein Gedächtniss war ausgezeichnet; mit derselben Leichtigkeit, wie mder Jugend die Wissenschaften und Sprachen von ihm erlernt wurden, fassteer auch im reiferen Alter die Staatsgesetze auf. Als Feldherr kannte er nichtnur, die höheren Befehlshaber des Heeres, sondern auch die Officiere niedererGrade, ja sogar viele der ausgezeichneteren Soldaten.

Wahrhaftige innige Gottesfurcht schmückte seine Seele und offenbarte sichin seinen Keden und Handlungen. Selten versäumte er das Morgen- und Abend-gebet und nie den Gottesdienst. Schwüre, sowie auch leichtsinnige und lästerndeReden über religiöse Gegenstände waren ihm unausstehlich. Oft sah man ihnim Lesen der heiligen Schrift vertieft. »Dadurch, dass ich mich Betrachtungenüber Gottes Wort hingebe«, sprach er, »suche ich mich gegen böse Versuchungenzu schützen. Ein Mensch, der wie ich, nur Gott allein Rechenschaft über seineHandlungen abzugeben hat, ist durch diese Selbstständigkeit eben den Ver-suchungen am meisten ausgesetzt.« Viele der damals gebräuchlichen Feldgebeteverfasste er selbst; man hält ihn auch für den Verfasser des berühmten Feld-psalmes »Verzage nicht, du Häuflein klein«. Ein Geschichtschreiber jener Zeitschildert ihn in dieser Hinsicht folgendermassen: »König Gustav Adolph beginntalle seine Unternehmungen mit Gebet und endet sie deshalb mit Danksagung.«

Sein ganzes Leben war ein Abglanz dieser reinen, aus der Seele kommen-den Religiosität. Nach seiner Verirrung mit Margarethe Cabeljau konnte ihmauch nicht die geringste Schwäche dieser Art vorgeworfen werden. Unmässig-keit im Genüsse der Speisen, im Spiel, sowie Müssiggang waren ihm gänzlichfremd. Durch seine ungewöhnlichen Eigenschaften überragte er Alle, die ihnumgaben, weshalb auch der Neid ihm völlig fremd war; fern war er jederVerstellung, weil er Nichts zu verbergen hatte. Da er Niemand kränkenkonnte, kannte er auch den Argwohn nicht: »Ich kann«, pflegte er zu sagen,»im Schoosse eines jeden meiner Unterthanen ruhig schlafen.«

Er war ehrgeizig, doch strebte er nur nach Wahrheit und darnach, dasWohl des Vaterlandes zu begründen. Sein Benehmen gegen seine nächste Um-gebung war edel und liebenswürdig. Die Königin-Wittwe, seine Mutter, welche