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Abth. 3, Die Neuzeit Bd. 1 (1874) Kriege der I. Hälfte des XVII. Jahrhunderts, der Dreissigjährige Krieg : 1618 - 1648
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164 Beilagen.

breiteten Meinung, dass Gustav Adolph vom Herzoge von Sachsen-Lauenburggetödtet worden ist, und alle Schweden glaubten, dass der Herzog in Ueber-einstimmung mit dem Kurfürsten von Sachsen, dem Kaiser und anderen Höfen,so gehandelt habe und glaubten dies sogar noch zu seiner (Francheville's)Zeit (1799).« Zur Bekräftigung der Wahrheit ( in dieser Sache wiesen sie aufden bekannten Baron Puffendorf hin, welcher gegen splendide Bezahlung nachSchweden berufen worden war, um aus Originalquellen die Geschichte GustavAdolphs zu schreiben und seinen Tod aufzuklären, und der sich überzeugthaben soll, dass Niemand anders als der Herzog von Sachsen - Lauenburg derMörder gewesen sein kann, und ihn daher als solchen vor ganz Europa hinstellte,und in dieser Hinsicht, meinten sie, müsse man dem Historiographen SchwedensGlauben schenken. Francheville aber unterwirft alle Beweise Puffendorfs einergenauen Kritik und widerlegt sie entschieden, indem er die Hauptmomente derVerdächtigung des Herzogs, namentlich seinen Eintritt in den kaiserlichen Dienst,sein Verweilen bei Wallenstein, zu dessen Disposition er gestellt war, seinUebertritt in die schwedische Armee wenige Tage vor der Schlacht bei Lützenund sein Zurücktritt zu den Kaiserlichen zwei Tage nach derselben, und endlich,dass der Herzog in der Schlacht mit Blut, obgleich nicht selbst verwundet, be-deckt war, durch andere Thatsachen ganz entkräftet. Schliesslich widerlegtFrancheville die Angabe Puffendorff's, dass er Chemnitz zur Richtschnur ge-nommen, und sagt, dass dieser letztere, gewissenhafte und würdige Geschicht-schreiber, ein Zeitgenosse Gustav Adolphs, nie und nirgends behauptet habe,dass Gustav Adolph vom Herzog von Lauenburg getödtet worden ist, sondernganz einfach gesagt, dass »man angenommen hätte, dass Gustav Adolph nichtvor dem Feinde gefallen, sondern ein vornehmer Mann seitens der Schwedenauf ihn geschossen habe«, und fügt dann hinzu, dass »er dieses dem GerichteGottes, vor dem Nichts verborgen bleibt, anheim stelle«. *

In der dritten Abtheilung, am Ende seiner Broschüre widerlegt Franche-ville ebenso beweiskräftig wie entschieden jegliche Theilnahme des Kaisers,des Kurfürsten von Sachsen, anderer Fürsten und überhaupt der katholischenPartei an dem vermeintlich durch den Herzog von Sachsen-Lauenburg herbei-geführten Tode Gustav Adolphs.

Ueberhaupt ist zu bemerken, dass die aus 36 Seiten (Quart) bestehende imJahre 1799 in Breslau herausgegebene Broschüre Francheville's, die jetzt einebibliographische Seltenheit ist*), werthvolle Auskünfte hinsichtlich der Um-stände und Art des Todes Gustav Adolph's enthält und besondere Beachtungverdient. Zu Gunsten der guten Absicht, Gewissenhaftigkeit und Wahrheitsliebedes Autors der Broschüre kann gesagt werden, dass er, obgleich römisch-katholischer Priester (Canonicus des Kapitels der Breslauer Kathedralkirche),

*) Sie befindet sich in der Bibliothek des Hauptstabes und ohne Zweifel auchin der kaiserlichen öffentlichen Bibliothek.