I. Gustav II. Adolph, König von Schweden. (Sein Tod.) 153
Flossgraben (einem Canale, der diesen FIuss mit der Elster verbindet) und ent-sandte kleine Beobachtungscorps nach Altenburg und Zwickau. Sowie GustavAdolph Pappenheim's Marsch nach Halle und Wallenstein's Rückzug erfuhr,rückte er augenblicklich vorwärts, etwas mehr rechts von Weissenfeis. AlsGolloredo von Weitem schon die Annäherung der Schweden wahrnahm, gab erWallenstein durch das verabredete Signal sofort Kunde davon, und dieser befahlnun eiligst, die Truppen bei Lützen zu sammeln und berief durch EilbotenPappenheim aus Halle zurück.
Am 5. November Morgens-kam Wallenstein in Lützen an; im Laufe desTages zogen sich dort aus ihren engen Quartieren die Truppen seiner Armeezusammen und nahmen gegen Abend ihre Schlachtposition hinter der Land-strasse von Lützen nach Leipzig ein, mit dem rechten Flügel hinter Lützenund mit dem linken, der etwas zuiückgebogen war, nach dem Flossgraben hin ;gegen den Rippacher Engpass war der General Isolani mit seinen Kroaten vor-geschoben. Gustav Adolph aber marschirte am Morgen desselben Tages vonWeissenf eis zum Engpass von Rippach, warf Isolani zurück, nahm am Nach-mittage den Engpass und lagerte jenseits desselben unter freiem Himmel. Danun zu dieser Jahreszeit (5. November a. St.) in diesen Gegenden Deutschlandsdie Sonne um 4^2 Uhr untergeht und um 7>/ 2 Uhr aufgeht und die Schwedendem Feinde bereits sehr nahe waren, so gingen sie nicht weiter vor, sondernGustav Adolph beschloss, erst am folgenden Tage mit Tagesanbruch vorzu-rücken und Wallenstein auf das Entschiedenste anzugreifen. Die übrige Zeitdes Tages benutzte Gustav Adolph zur Recognoscirung der Oertlichkeit, diuAbend und die erste Hälfte der Nacht aber zu Anordnungen für den Kampfdes folgenden Tages. Von hieran wollen wir Alles, was diese letzten Stundenstines Lebens betrifft, umständlicher erörtern.
Den Abend und die Nacht auf den 6. November vei brachte er unter freiemHimmel in seinem Wagen. Hier versammelten sich der Herzog Bernhard vonWeimar und alle übrigen schwedischen Generale. Gustav Adolph theilte ihnenpersönlich alle seine Combinationen und Anordnungen zum Kampfe des nächstenTages mit. Jemand von den Anwesenden bemerkte, dass der Feind stärker seiund es vortheilhafter wäre, die Vereinigung mit dem Kurfürsten von Sachsenabzuwarten. Nachdem er dies ruhig angehört, wiederholte der König seine vor-her ausgesprochene Meimwg über diesen Punkt und fügte dann mit lauter undbegeisterter Stimme hinzu : »Da ich den Wallenstein so nahe vor mir habe, kannich die Gelegenheit nicht unbenutzt lassen, ihm zu beweisen, dass es nichtvon mir abhing, früher schon mit ihm mit dem Schwerte in der Hand zu-sammenzukommen; man muss doch sehen, was er jetzt auf otfenem Felde be-ginnenwird, und ihn aus dem Bau treiben, in welchen ersieh versteckte.« Dieszeugte von seinem energischen Entschlüsse, durchaus den Kampf mit Wallensteinaufzunehmen und ihn zu schlagen. Niemand machte weitere Einwendungen,sondern Alle wetteiferten, ihm ihre aufrichtigen Gefühle der Bewunderung,