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Abth. 3, Die Neuzeit Bd. 1 (1874) Kriege der I. Hälfte des XVII. Jahrhunderts, der Dreissigjährige Krieg : 1618 - 1648
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154 Beilagen.

Hochachtung und Ergebenheit auf Leben und Tod auszusprechen. Der Königdankte leutselig, war sehr ruhig und heiter und befahl seiner Dienerschaft, zumfolgenden Morgen sein neues ledernes Collet bereit zu halten. Die Anwesendenbaten ihn inständigst, einen Helm aufzusetzen und einen Harnisch anzulegen,wie er es sonst zu thun pflegte. Er schlug dies jedoch ab, indem er sagte, dassihm »eine Kugel noch in der Schulter sässe, und daher würde die Schwere desHarnisches ihm an jener Stelle unerträglichen Schmerz verursachen«, und er-klärte sodann, dass er den Kopf mit einem Hut bedecken und statt des Harnischesein ledernes Collet tragen wolle.....

Anfangs beabsichtigte er mit Tagesanbruch (gegen 6 Uhr) den Vormarschzu beginnen. Aber am Morgen des nun folgenden verhängnissvollen Tages(6./16. November) lag ein so dichter Nebel ausgebreitet, dass es unmöglichwar, sogar die eigenen voranstehenden Truppen zu sehen, und daher wurdedas Vorrücken bis zum Sonnenaufgang und Verschwinden des Nebels aufge-schoben. Als die Truppen endlich marschfertig waren und unter dem Gewehrstanden, befahl Gustav Adolph vor ihnen einen Gottesdienst abzuhalten, wobeidie Trompeter Luthers Lied bliesen: »Ein feste Burg ist unser Gott« und wobeier selbst den Psalm : »Verzage nicht, du Häuflein klein« anstimmte. Darauf be-stieg er sein Pferd, ritt beide Linien entlang und feuerte seine Krieger mit denkurzen, aber begeisterten und kräftigen Worten an: »Nun wollen wir im Namendes barmherzigen Gottes daran! Herr! lass uns heute zur Ehre deines heiligenNamens streiten!« Die Truppen antworteten mit dem in der schwedischenArmee üblichen Schlachtruf: »Gott mit uns!« und setzten sich in Bewegung,beide Linien mit dem rechten Flügel voran, die Keiterei des rechten Flügels alsVortrab.

Die Oertlichkeit des Schlachtfeldes besteht aus einer fast gänzlich flachenEbene, und auch der nicht tiefe Flossgraben bildet kein wesentliches natürlichesHinderniss. Die niedrig gelegene und in dieser späten Jahreszeit feuchte Ge-gend, sowohl rechts in der Nähe des Flossgrabens als auch besonders vor undlinker Hand von Lützen und zwischen ihm und dem Dorfe Schwesitz, hindertewahrscheinlich Gustav Adolph mit der ganzen Streitmacht den linken Flügelvon Wallenstein's Armee anzugreifen, um ihn von Süden nach Norden, — oderden rechten, um ihn von Norden nach Süden zurückzuwerfen, und zwang denKönig einen Frontalangriff zu machen.

Während des Nebels, der sich auch nach Sonnenaufgang und sogar späternoch bis gegen Mittag nicht löste, aber nach und nach schwächer wurde, ging dieschwedische Armee in der Nähe des Schkölziger Holzes über den Flossgraben,entfaltete sich und stellte sich 1500 Schritt (1 Werst) von der Landstrasse nachLeipzig, fast parallel mit derselben und der dahinter stehenden Armee Wallen-stein's in Schlachtordnung auf, in der Mitte acht Brigaden Infanterie (jede zu20 Compagnien), welche, in zwei Treffen formirt, in der rechten Flauke an denFlossgraben stiessen. 22 Reiterregimenter, 10 auf dem rechten und 12 auf