I. Gustav II. Adolph, König von Schweden. (Sein Tod.) 151
der Tod eines so außergewöhnlichen Menschen an und für sich schon Aufmerk-samkeit und Theiluahme verdienen? Im vorliegenden Buche aber, das haupt-sächlich den Zweck hat, die Kriegsthaten grosser Feldherren vorzuführen,konnte da wohl der in der Schlacht erfolgte Tod eines der grössten unter ihnenmit Stillschweigen übergangen werden, nachdem von Anfang bis zu Ende alleseine Kriegsheldenthaten aufgezeichnet worden, besonders wenn es sich darumhandelt, seine Ehre zu retten'? Denn für solch einen Mann wie Gustav Adolphist es ein grosser Unterschied, einerseits im Kampfe von einer Kanonen- oderFlintenkugel oder durch das Schwert feindlicher Truppen zu fallen, oder ander-seits durch die Hand eines Verräthers oder gedungenen Mörders sein Leben zuverlieren. Das letztere zu beweisen, hiesse dem Helden alle Ehre und Kuhmnehmen, wer aber von Gustav Adolph's Verehrern wird sich dazu entschliessen ?
Auf die zweite Frage muss geantwortet werden, dass, wenngleich dieWahrheit im ganzen Umfange aufzudecken sehr schwierig, ja sogar fast un-möglich ist, sie doch theilweise und hinlänglich mit Hülfe einer sorgfältigen undvorsichtigen Kritik aufgehellt werden kann. Dazu ist es nur nöthig, solche zeit-gemässe Quellen und spätere historische Ilülfsmittel zu benutzen, welche diegrösste Zahl triftiger Gründe für sich haben und dadurch den meisten Glaubenverdienen. Derart sind (aus der Zahl der am Anfange dieses Buches aufge-führten) das Theatrum Europaeum, Chemnitz, Le soldat suedois , Gualdo Prio-rato im Original und in der französischen Uebersetzung von Francheville, derdieser Uebersetzung beigegebene »Discours sur la bataille de Lützen, par unofficier prussien«, die Biographie Gustav Adolph's von Harte, Arkenholz, Mau-villon, besonders Francheville: La mort de Gustave Adolphe etc. (dessenBrochüre vom Jahre 1799 ich hauptsächlich zur Richtschnur nehmen werde,s. unten).und von den Neueren: Lossau, Ideale der Kriegführung etc., GustavAdolph.
Bevor ich aber zur eigentlichen Darstellung des Todes Gustav Adolph'sauf Grund kritischer Forschung und summarischer Zusammenstellung des in denerwähnten Quellen und Hülfsmitteln Gesagten schreite, halte ich es für not-wendig, die Gustav Adolph persönlich betreffenden Umstände seiner letztenLebenstage und Stunden anzuführen, wozu ich zehn Tage vor der Schlacht beiLützen zurückgehen und etwas ausführlicher den Verlauf der Schlacht selbstbis zum Tode Gustav Adolph's, deren Schilderung im Texte dieses Buches(§. 46) mehr als kurzer Abriss gegeben ist, auseinandersetzen muss. Mit dem28. October beginnend, werde ich an den einzelnen Tagen die gleichzeitigenBewegungen, Aufstellungen und getroffenen Anordnungen der beiden sich gegen-überstehenden Armeen Gustav Adolph's und Wallenstein's anführen.
Am 28. October traf die schwedische Armee von Schweinfurt über denThüringer Wald in Arnstadt (südlich von Erfurt) ein; hier stiess zu ihr wiederder Herzog Bernhard von Sachsen-Weimar, wodurch ihre Streitkräfte auf27,000 Mann anwuchsen. Wallensteiu aber nahm Leipzig ein und wollte nach