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Abth. 3, Die Neuzeit Bd. 1 (1874) Kriege der I. Hälfte des XVII. Jahrhunderts, der Dreissigjährige Krieg : 1618 - 1648
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150 Beilagen.

Beschützer der religiösen und politischen Freiheit Deutschlands hoch verehrt,von den Katholiken überhaupt und von den Jesuiten besonders, in dem Massegehasst wurde, dass sie ihn für einen Feind Gottes und Christi hielten und ihnauch nicht anders nannten! Daraus ist erklärlich, welchen Eindruck sein Todauf die Schweden, Protestanten und Katholiken machte. Die ersteren, tiefbetrübt und fast noch mehr erbittert, schrieben den Tod ihres geliebten Königseinem Verräther zu oder einem von den Katholiken gedungenen Meuchelmörder,worin übrigens an und für sich nichts Unwahrscheinliches lag: war doch Hein-rich IV. von Frankreich kurz vordem unter dem Dolche des im Geheimen vonden Jesuiten bewaffneten Fanatikers Kavaillac gestorben! Die Schweden wiesengeradezu auf den Mörder hin — auf den Herzog Franz Albert von Sachsen-Lauenburg. Die Protestanten im Allgemeinen und die deutschen insbesondere,wenngleich sie sich nicht so weit hinreissen Hessen wie die Schweden, theiltenihre Ansicht und waren bereit, ihnen alle möglichen und unmöglichen Ver-muthungen zu glauben. Die Katholiken aber frohlockten und triumphirten offenund laut, bis zum Unschicklichen, indem sie sich über »die Befreiung der Kirchevon ihrem bösesten Feinde« freuten! Unter dem Einflüsse solcher Leiden-schaften und Gefühle schrieben die zeitgemässen Historiker und BiographenGustav Adolph's; die späteren aber glaubten ihnen aufs Wort und wiederholtendie Schilderungen dieses oder jenen, je nachdem sie sich mehr zu dem einenoder zum andern hingezogen fühlten. Es ist natürlich, dass, je weiter vorwärts,auch die Zahl der Schilderungen wuchs, welche, wenngleich in ihren Haupt-grundlagen und Abrissen mehr oder weniger übereinstimmend, bis aufsAeusserstein ihren Einzelheiten auseinandergehen und, anstatt die Wahrheit an den Tag zubringen, dieselbe mehr und mehr verdunkelten und das Aufdecken derselbenerschwerten. Es genügt, dass 150 Jahre nach dem Tode Gustav Adolph'sGustav III., König von Schweden (ermordet im Jahre 1792), es bedauerte, dassnoch nichts Authentisches über den Tod Gustav Adolph's bekannt wäre!

Man könnte aber fragen: ob es denn nothwendig sei die Wahrheit auf-zudecken ? und wenn dieses der Fall, ob es denn absolut unmöglich sei ?

Auf die erste Frage kann man mit Dasselbe antworten, was schon obengesagt wurde: wessen Tod war und ist der Gegenstand dieser Forschung ? —Wenn das Leben und die Thaten grosser Menschen und, was den Kriegerstandbetrifft, grosser Feldherren in Wahrheit eine hohe Theilnahme erwecken, sokann auch der Tod, der ihrem Leben — und wäre es auf die gewöhnlichste,natürlichste Weise — ein Ziel setzt, vom Bilde ihrer Lebensthätigkeit nicht aus-geschlossen werden. Was soll man aber über den so aussergewöhnlichen TodGustav Adolph's sagen, der selber wie sein ganzes Leben so aussergewöhnlichwar ? Aus der weiterhin gegebenen Beschreibung seines Todes wird man sichleicht überzeugen, dass.derselbe von solch aussergewöhnlichen ganz einzigenUmständen begleitet war, dass er eine sehr seltene wenn nicht völlige Ausnahmein der Geschichte bildet. Und wenn dem auch nicht so wäre, würde dann nicht