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Abth. 3, Die Neuzeit Bd. 1 (1874) Kriege der I. Hälfte des XVII. Jahrhunderts, der Dreissigjährige Krieg : 1618 - 1648
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I. Gustav IL Adolph, König von Schweden. (Sein Tod.) 149

Seine Kriegsoperationen in Deutschland seit seinem dortigen Erscheinenbis zu seinem in der Schlacht bei Lützen erfolgten Tode, sind oben im III. undIV. Kapitel beschrieben. Zu dem daselbst Gesagten ist noch hinzuzufügen,dass seine auf deutschem Boden entfaltete ungewöhnliche Thätigkeit währendseines dortigen (nur 2 Jahre 4 Monate 14 Tage umfassenden) Verweilens unwill-kürliche Bewunderung erregen. Beständig führte er zu gleicher Zeit schriftlicheund mündliche politische Unterhandlungen mit allen Fürsten und vielen StädtenDeutschlands und fast allen Regierungen Westeuropas, leitete alle militärischenAnordnungen, Bewegungen und Operationen der schwedischen und verbündetenTruppen in allen Zweigen und Einzelheiten von den wichtigsten bis zu dengeringsten, nahm näheren persönlichen Antheil in jeglicher Art von Kriegs-operationen und beschäftigte sich dabei noch ohne ünterlass sorgfältig mit deninneren Angelegenheiten Schwedens, Finnlands, Livlands und Preussens. Nursein unverwüstlich kräftiger und frischer Körper, und besonders seine starkeGeistes- und Willenskraft konnten solch einer täglichen, ja stündlichen viel-seitigen Thätigkeit zur Wohlfahrt des von ihm feurig geliebten Schwedens undzum Schutze des protestantischen Glaubens und der religiös-politischen FreiheitDeutschlands gewachsen sein.

Der Tod Gustav Adolph's.

240 Jahre — fast zwei und ein halbes Jahrhundert — sind seit dem TodeGustav Adolph's vergangen, und bis jetzt ist derselbe noch immer nicht gänz-lich aufgeklärt. Es ist ersichtlich, dass dazu wichtige Gründe vorliegen. Inder That, zur Zeit dieses Todesfalles selbst, waren die protestantische unddie katholische Partei gegen einander so heftig aufgebracht, gereizt, erbittertund erbost, dass es selbstverständlich nicht an der Zeit war, die Wahrheit zuergründen. Dazu kam ferner, dass der Krieg damals nicht endete, sondern nochsechszehn Jahre lang mit viel grösserer Erbitterung, auf einem weit grösserenLänderraume und in ' grösserem Umfange fortwüthete. Als aber der Kriegwirklich endete, waren nicht nur die näheren Zeugen des Todes Gustav Adolph's,sondern auch der grösste Theil derjenigen, welche in der Schlacht bei Lützenmitgefocht'en, nicht mehr am Leben. Es lebten nur einzelne Ueberliefcrungenfort, die von einer Generation zur anderen sich fortpflanzten, aber auch diesewurden nach und nach schwächer und durch den noch nicht erloschenen Geistreligiöser Zwietracht bis zur Unkenntlichkeit verunstaltet, — und dies noch inneuester Zeit. Dabei ist nicht zu vergessen, wessen Tod der Gegenstand dazuwar! Nicht der Tod eines gewöhnlichen Menschen, eines unbedeutenden Gene-rals oder Feldherren, sondern Gustav Adolph's, der gleich gross als Mensch,Herrscher und Feldherr dastand, von den Schweden vergöttert, von allen Pro-testanten, besonders den deutschen als sich selbst verleugnender, uneigennütziger