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Abth. 3, Die Neuzeit Bd. 1 (1874) Kriege der I. Hälfte des XVII. Jahrhunderts, der Dreissigjährige Krieg : 1618 - 1648
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144 - Beilagen.

Diese Erfolge der Schweden bestärkten im polnischen Volke noch mehrden frühem Widerwillen gegen den Krieg und erweckten den Wunsch nachFrieden. Sigismund aber, der auf die Hülfe des Kaisers hoffte und im Ge-heimen nur Zeit gewinnen wollte, Hess sich trotz der dringenden Vorstellungender brandenburgischen und holländischen Bevollmächtigten nur zum Abschlusseines kurzen Waffenstillstandes behufs Einleitung der Friedensverhandlungenbewegen. Diese Verhandlungen wurden aber seinerseits so geführt, dass siebald abgebrochen werden mussten.

Inzwischen näherte sich Preussen ein Hülfsheer kaiserlicher Truppen(7000 Mann Fussvolk und 2000 Mann Reiterei mit zahlreicher Artillerie) unterdem Befehl des Feldmarschalls von Arnim (den die damaligen Schriftstellerauch Arnimb und Arnheim schreiben). Wallenstein soll, wie man erzählt, ihmfolgenden interessanten mündlichen Befehl gegeben haben : »den Schneekönigaus Preussen zu vertreiben, wenn es aber nicht ginge, es ihm (Wallenstein)wissen zu lassen, er werde dann bald selbst kommen und ihn verjagen.«Diese Worte charakterisiren Wallenstein und seine Meinung über Gustav Adolphhinlänglich.

Letzterer kam nach Preussen zu seiner Armee in der ersten Hälfte desJuni, grade zur Zeit als Arnim bei Graudenz zu Koniezpolski stiess. Ohne Ver-zug rückte Gustav Adolph gegen dieselben nach Marienwerder mit 8000 MannFussvolk und 5000 Mann Reiterei in der festen Absicht vor, sie auf das Ent-schiedenste zu sshlagen. Inzwischen aber sandte er einen Bevollmächtigtenan Wallenstein, um sich über die Truppensendung des Kaisers zu beschweren,gegen den er (Gustav Adolph) weder gekämpft habe noch kämpfe. Wallensteinantwortete darauf, »dass der Kaiser zu viel Truppen habe, und daher seinenFreunden mit dem Ueberflusse aushelfen müsse«.

Bevor Gustav Adolph nach Marienwerder marschirte, beschloss Koniez-polski nicht nur den Kampf mit ihm aufzunehmen, sondern ihn sogar selbstanzugreifen, wozu er einen nicht übel combinirten und für einen andern Gegnerals Gustav Adolph möglicherweise sogar gefährlichen Plan entwarf. Er mar-schirte nämlich von Graudenz rechts auf Stuhm. indem er den linken Flügel derSchweden umging. Als aber Gustav Adolph davon Kunde erhielt, schickte erohne Verzug den Rheingrafen Otto Ludwig mit einem Dragoner- und einemKürassierregiment (im Ganzen gegen 800 Mann) ab, um den Hohlweg zwischenden Seen bei Stuhm zu besetzen und dadurch den Feind zu zwingen einen grös-sern Umweg zu nehmen. Er befahl dabei dem Rheingrafen, für den Fall dasser dem Feinde nicht zuvorkäme, sich mit ihm in keinen Kampf einzulassen^sondern dann die Ankunft Gustav Adolph's mit der Armee abzuwarten. DerRheingraf that aber das ganz Entgegengesetzte; da er den Hohlweg schon besetztfand, griff er die Polen an, fiel in einen Hinterhalt und wenn er sich auch durch-hieb, so verlor er doch dabei mehr als 200 Mann. Zu derselben Zeit kam GustavAdolph mit seiner Vorhut an; es entspann sich ein heisser Kampf, bei welchem