I. Gustav II. Adolph, König von Schweden. 143
in Bezug auf den Hauptzweck des Krieges, und in diesem letztern entstandhauptsächlich aus politischen Gründen eine gewisse Art zeitweiliger Unthätig-keit; namentlich begann Wallenstein, nachdem er die Blokade Stralsunds auf-gehoben, heimliche Unterhandlungen mit Christian IV., in der Absicht ihn aufseine Seite zu bringen und ihn somit vom Bunde mit Gustav Adolph undeinigen protestantischen Fürsten Nord- und Mitteldeutschlands zu trennen.Christian IV. , der persönliche Vortheile im Auge hatte, ging darauf ein undim Anfange des Jahres 1629 ward in Lübeck von Bevollmächtigten beiderSeiten ein Congress eröffnet und bald darauf der Frieden unterzeichnet, vonwelchem Gustav Adolph und Friedrich von der Pfalz ausdrücklich ausgeschlossenwurden. Gustav Adolph hatte ebenfalls zum Congress seine Bevollmächtigtenentsandt, aber Wallenstein wies mit Stolz und Verachtung ihre Betheiligungzurück, versagte ihnen den Zutritt zum Congress und beleidigte sie sogar.Gustav Adolph beklagte sich darüber, aber weder der Kaiser , noch Wallen-stein nahmen davon die geringste Notiz, vielmehr beleidigten sie mit der Ver-öffentlichung des Restitutionsedictes gleichzeitig Gustav Adolph und Schweden,brachten die Protestanten Deutschlands aufs Aeusserste gegen sich auf, warenfolglich selbst die Ursache, dass die Protestanten sich einander näherten,und schufeu sich dadurch gefährliche Feinde. Sogar die katholischen FürstenDeutschlands wurden unruhig, und der Kurfürst von Baiern begann schonUnterhandlungen mit Frankreich anzuknüpfen. Die protestantischen Fürstenund freien Städte Deutschlands wandten sich aufs Neue, zum vierten Male, anGustav Adolph mit der Bitte um Hülfe, und selbst Frankreich entschloss sichendlich eine geheime Convention mit ihm abzuschliessen. Alles dies zusammengenommen brachte Gustav Adolph gegen seinen Wunsch und Willen in diezwingende Lage, sicli an die Spitze des Bundes der Protestanten Deutschlandsgegen den Kaiser zu stellen. Der Schutz des protestantischen Glaubensbekennt-nisses , die Ehre und das Wohl Schwedens, der einstimmige Ruf des pro-testantischen Deutschlands und endlich besonders die Vorschläge FrankreichsMessen dieses Mal kein Ausweichen zu, sondern erheischten Einwilligung. Daseinzige Hinderniss — der Krieg mit Polen -— ward von Frankreich beseitigt:der Cardinal Richelieu befahl dem französischen Gesandten in Kopenhagen,Baron Charnace, in das polnische Preussen zu gehen und sich dringend zubemühen einen festen Frieden oder wenigstens einen lange andauernden Waffen-stillstand zwischen Gustav Adolph und Sigismund herbeizuführen.
Im Anfange des Jahres 1629, während Gustav Adolph's Abwesenheit, dersich in Stockholm befand, wurden die Kriegsoperationen in Preussen seitens derSchweden damit eröffnet, dass General Wrangel einen plötzlichen Ueberfall aufdie polnischen Truppen in ihren Winterquartieren ausführte. Diese Truppenzogen sich zurück, wurden aber beim Städtchen Gurzno, in der Nähe Strass-burgs, eingeholt, geschlagen und flüchteten nach Thorn, das Wrangel vergebenszu nehmen versuchte.