I. Gustav II. Adolph, König von Schweden. 145
Gustav Adolph persönlich im Handgemenge kämpfte und beinahe getödtet odergefangen genommen worden wäre (ein polnischer Reiter sprengte an ihn zurnämlichen Zeit heran, als Gustav Adolph seinen Pallasch hatte fallen lassen.,brachte ihm einen Säbelhieb über den Kopf bei, wodurch dem König der Hut vomKopfe fiel, und nur der nächste schwedische Reiter rettete ihn). Die Polenwaren zurückgeschlagen, wichen aber nicht, sondern blieben in ihrer Position— nach dem Berichte Arnim's an Wallenstein hatten sie viele. Officiere und300 Gemeine von den Schweden zu Gefangenen gemacht, fünf Standarten,zehn lederne Kanonen und, als Haupttrophäe, den Hut Gustav Adolph's (deran Wallenstein geschickt wurde) erbeutet, selbst aber fünf Standarten undsiebzehn Fahnen verloren. Gustav Adolph, dem durch die Schuld des Rhein-grafen dieses Unternehmen missglückt war, zog sich noch in derselben Nachtnach Marienburg zurück. Um die Scharte wieder auszuwetzen , griff er balddarauf die feindliche Armee an, die bis zum Flusse Nogat vorgerückt war,und warf sie mit einem Verluste von 4000 Mann ihrerseits (die Einzelheitendieses Kampfes sind unbekannt).
Dieser letzte Sieg löschte nicht nur den ihm vorangegangenen Misserfolgvollständig wieder aus, sondern hatte auch wichtige Folgen. Der von der pol-nischen Armee erlittene Verlust, die äusserste Unzufriedenheit der Landesbe-wohner, der Mangel an Streitkräften und Lebensmitteln, die Unordnung, diePlünderungen und Gewaltthätigkeiten der Truppen Arnim's, die Pest unterihnen und unter den polnischen Truppen, in Folge dessen sich die Einwohnerfürchteten, ihnen Lebensmittel zuzuführen, und den Soldaten der Hungertoddrohte, endlich das sichtbare Uebergewicht Gustav Adolph's und die AnkunftCharnaces im schwedischen Lager, alles dies zusammengenommen bewog Sigis-mund zu friedlicheren Gedanken und Gefühlen und zu Friedensunterhandlungen.Letztere begannen am 9. August 1629 zwischen Stuhm uud Christburg, auffreiem Felde unter Zelten, und den 6. September wurde ein Waffenstillstand aufsechs Jahre abgeschlossen, mit dem beiderseitigen Uebereinkommen, die Mög-lichkeit einer Verlängerung nach Ablauf dieses Termins zuzulassen. Zufolgedieses Vertrages wurde Gustav Adolph als König von Schweden anerkannt undauf die Dauer des Waffenstillstandes auch als Gebieter von Livland, Elbing,Memel, Pillau und Braunsberg, seine übrigen Eroberungen aber musste er anSigismund und den Kurfürsten von Brandenburg zurückgeben; Marienburgsollte von den Truppen des Letztern besetzt werden, die Einkünfte von Marien-burg dagegen dem König von Polen zufliessen; im Falle aber, dass in Zukunftkein endgültiger Friede zu Stande käme, sollten das Schloss und die Stadt denSchweden abgetreten werden.
So endete denn der Krieg Gustav Adolph's und Schwedens mit Sigismundund Polen , der mit Unterbrechungen acht Jahre lang gedauert hatte (1621 —1629). In den sechs Feldzügen gegen Polen, in zwei Feldzügen gegen Däne-
Galitzin, Allgem. Kriegsgeschichte. III, 1. 10