I. Gustav II. Adolph, König von Schweden. 141
Darauf cernirte Gustav Adolph Danzig vou der Landseite und vom Meere ausund würde die Stadt gewiss in kürzester Frist durch Hunger zurUebergabe ge-zwungen haben, wenn nicht wie absichtlich zu der Zeit grade das Wasser in derWeichsel ungemein gestiegen wäre und die ganze Niederung, in welcher Danzigliegt, überfluthet hätte, wodurch die schwedischen Truppen gezwungen wurden,sich zurückzuziehen und die Blokade fast gänzlich aufzuheben. Zu derselbenZeit kam Sigismund selbst mit Verstärkungen an und vereinigte sich mit Koniez-polski. Zwar bemühten sich die niederländischen General-Staaten, Sigismundmit Gustav Adolph auszusöhnen, aber vergebens. Sigismund, welcher imEinverständniss mit dem Kaiser, mit Spanien und der katholischen Partei hart-näckig das allgemeine und sein eigenes politisches Ziel, wie schon erwähnt, ver-folgte, und dies um so mehr, als der Kaiser damals (im Jahre 1628) über ganzDeutschland triumphirte, — wollte Gustav Adolph nicht nur aus Polen hinaus-drängen und alle von ihm gemachten Eroberungen, besonders Livland zurück-erobern, sondern auch den Krieg nach Schweden selbst hinüberspielen undLand und Thron Schwedens in Besitz nehmen.
In der früher gegebenen Beschreibung der politischen Lage Deutschlandsund der übrigen Staaten Westeuropas in damaliger Zeit, ist schon gesagt wor-den, dass die Protestanten Hülfe nur von Gustav Adolph oder von Christian IV.erwarteten, und dass sie, da sie die Bedingungen des Letzteren massiger fan-den, ihm auch den Vorzug gaben. Gustav Adolph aber antwortete, als er davondurch König Karl I. von England benachrichtigt wurde, nicht ohne Ironie: »eswäre ihm angenehm, dass die Verbündeten zu solch wichtigem Unternehmen einenbedeutend geschickteren Führer gewählt, und er wünsche ihm den glücklichstenErfolg«. Dies "war sehr wahr, da Christian IV. zu solchem Berufe gar nichtfähig war. Jedenfalls war die Lage Gustav Adolph's und Schwedens damalsder Art, dass gar nicht daran gedacht werden konnte, am Kriege in Deutsch-land Theil zu nehmen, besonders deshalb, weil Sigismund durchaus nichtFrieden schliessen wollte; zwei grosse Kriege aber zu gleicher Zeit war Schwe-den nicht im Stande zu führen.
Als jedoch bald darauf König Christian IV. von Tilly nach Holstein unddann von Wallenstein nach Jütland und den dänischen Inseln zurückgedrängtworden war, wandten sich die protestantischen Fürsten Deutschlands mit derBitte um Hülfe schlechtweg an Gustav Adolph. Aber auch jetzt lehnte GustavAdolph dieselbe aus dem frühern Grunde — dem Kriege mit Polen sowohl, alsauch deshalb von sich ab, weil der Kaiser, Spanien, Sigismund und Wallen-stein schon die Absicht hegten, die Herrschaft in der Nord- und Ostsee zu er-langen und, nachdem sie in ihren Bund Christian IV. hineingezogen, von allenSeiten über Schweden herzufallen. Deshalb cernirte denn auch WallensteinStralsund als den geeignetsten Punkt, von welchem aus er übers Meer ent-weder nach Schweden oder nach Dänemark übersetzen konnte. Dies fand zurnämlichen Zeit statt, als Gustav Adolph Danzig belagerte. Aber am 24. Juli