I. Gustav II. Adolph, König von Schweden. ] 39
Anfänglich hielt Gustav Adolph selbst seine Wunde für tödtlich, aber vonseinen tief religiösen Gefühlen durchdrungen, war er mit wahrhaftig christlicherFestigkeit im Vertrauen zu Gott bereit zu sterben und entgegnete auf die rüh-renden Ausdrücke wahrer Theilnahme von Seiten Axel Oxenstjerna's und an-derer ihm näherstehender Personen seiner Umgebung folgende bemerkenswertheWorte : »Gott hat mir meine Würde verliehen, und meine Pflicht ist es, michüber dieselbe weder aus Furcht noch aus Faulheit hinwegzusetzen, und waswäre wohl für mich ruhmreicher als mein Leben für die Vertheidigung der EhreGottes und zum Wohle meiner Unterthanen zu verlieren ?« Diese Worte kamenaus der innersten Tiefe der Seele dieses grossen Mannes und sind von der Nach-welt als Heiligthum aufbewahrt, weil sie seinen Charakter richtig kennzeichnen,und später bewies sein Tod, dass er solchen hohen Gefühlen bis zu seinem letz-ten Athemzuge treu blieb.
Als er gänzlich genesen, bemächtigte er sich von Neuem der Stadt Putzigund schnitt dadurch Danzig wieder vom Binnenlande ab, während der Vice-admiral Sternskjöld mit einer Escadre den Hafen blokirte. Danzig rüstete seineEscadre aus und sandte sie unter dem Befehle des dänischen Seeofficiers Dick-mann gegen die schwedische. Den 18. November 1627 griff Dickmann Stern-skjöld an und schlug die schwedische Escadre in die Flucht. Sternskjöld wurdeauf seinem Schiffe umzingelt und sprengte es in die Luft, Dickmann aber warim Gefechte gefallen und mit ihm 400—500 Mann der besten Matrosen Danzigs;die einzige Trophäe der Danziger war ein gänzlich zerschossenes schwedischesSchiff.
Dieser Vorfall war Gustav Adolph äusserst unangenehm und bewog ihnMassregeln zu treffen, gegen Danzig eine starke Flotte heranzuziehen, inzwischenaber die Stadt von der Landseite nach Möglichkeit enger einzuschliessen unddem Feinde die Stadt Wormditt wegzunehmen. Das letztere Unternehmen nahmer persönlich auf sich, obgleich er noch nicht gänzlich hergestellt war, und eroberteWormditt mit Sturm. Zu derselben Zeit ergab sich die Stadt Guttstadt dem ObristenTott. Darauf ging Gustav Adolph selbst Anfang December nach Stockholm.
So muss denn der Feldzug dieses Jahres für misslungen erachtet werden,weil 1) in Folge lange anhaltender widriger Winde Gustav Adolph erst sehrspät 'Ende Juni und Anfang Juli) aus Schweden absegeln und den Feldzugeröffnen konnte, 2) weil er bald darauf schwer verwundet wurde und in Folgedessen im Laufe ganzer drei Monate die Kriegsoperationen nicht wie früher fort-fuhren konnte, und 3) kann es möglich sein, dass er vorher Danzig durch Be-lagerung , was viele Vorbereitungen, Mühe und Zeit erforderte, nehmen unddann erst die polnische Armee zurückdrängen wollte. Wie schwer dies auchhinsichtlich der Schwäche der schwedischen Armee im Vergleich mit der feind-lichen und aus anderen Gründen sein mochte, so war es für Gustav Adolph einbesonderes Glück, dass Sigismund und Koniezpolski sich nicht im Mindestenseine Lage undUnthätigkeit zu Nutze machten und selbst in einer unbegreiflichen