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Abth. 3, Die Neuzeit Bd. 1 (1874) Kriege der I. Hälfte des XVII. Jahrhunderts, der Dreissigjährige Krieg : 1618 - 1648
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I. Gustav II. Adolph, König von Schweden. 137

lösen. Daher muss denn auch diese von ihm vollbrachte Heldenthat unter dieZahl der bemerkenswerthesten Handlungen dieser Art gestellt werden und ver-dient die vollkommenste Beachtung und das grösste Lob. Die Folge dieserThat war die Aufhebung der Belagerung oder besser ßlokade von Meve seitensder Polen, für Gustav Adolph aber ausserdem noch, dass er in diesem Gefechte(bei welchem er persönlich im Handgemenge sich der Gefahr aussetzte und zweiMal sogar gefangen genommen, aber von den Seinen wieder befreit wurde)Gelegenheit hatte, die ausgezeichneten Operationen seiner Truppen und ihrerFührer zu sehen und zu gleicher Zeit den Charakter und die Art und Weise derOperationen der polnischen Truppen und ihrer Führer, die ausser ihrer Tapfer-keit nicht die geringste Kunst an den Tag legten, kennen zu lernen. Und sobrachte dieser erste, ziemlich wichtige Kampf mit den Polen ihm die Ueberzeu-gung bei, dass sie keine gefährlichen Gegner für ihn seien.

Am Tage nach diesem Gefechte rückte er in Meve ein. Sigismund zeigtejetzt Lust zu Unterhandlungen, stellte aber Bedingungen, die schlechterdingsunannehmbar waren. Da das Jahr seinem Ende zuneigte, Hess Gustav Adolphseine Armee Winterquartiere beziehen und kehrte selbst nach Stockholm zurück.Hier erregten die Forderungen Sigismunds die allgemeine und grösste Unzu-friedenheit und alle Vorschläge Gustav Adolph's wurden von den Reichsständenmit Begeisterung aufgenommen, die aus freien Stücken die minderjährige Toch-ter Gustav Adolph's, Christina, zur Thronfolgerin erklärten und ihre vollständigeBereitwilligkeit, Alles für Gustav Adolph und seine Regierung zu opfern, be-zeugten.

Im Jahre 1627 vertraute Sigismund den Oberbefehl über die polnischeArmee dem Kronmarschall Koniezpolski an und trug ihm auf, der von denSchweden belagerten Stadt Danzig zu Hülfe zu eilen. Die Hauptstützpunkte derBlokade waren: Pillau, Dirschau, Meve und Putzig. Koniezpolski beschlossdie letztere, schwächste Stadt zu nehmen, und es glückte ihm; die BesatzungPutzigs war gezwungen wegen Mangel an Vorräthen zu capituliren und zwar mitfreiem Abzüge. Dadurch wurde die Verbindung Danzigs mit Deutschland wiederhergestellt. Hierauf warf Koniezpolski eine Abtheilung neu angeworbener, ausDeutschland zur schwedischen Armee marschirender Truppen nach Hammersteinzurück, zwang die Stadt am 15. April zurCapitulation, nahm dabei dieObristenStreiff und Teufel mit ihren Officieren gefangen und entliess die Soldaten unterdem Versprechen, ein ganzes Jahr nicht gegen die Polen zu kämpfen.

Gustav Adolph, in Schweden durch widrige Winde aufgehalten, nahmdieses Misslingen ziemlich gleichgültig auf, indem er dasselbe leicht auszuwetzenhoffte, eine Erwartung, die bald in Erfüllung giDg, als er endlich in West-preussen mit bedeutenden Verstärkungen eintraf. Er fand seine Armee bei Dir-schau durch Anwerbungen schon bis auf 35 36,000 Mann verstärkt vor. Per-sönlich unternahm er eine sorgfältige Recognoscirung der Aussen- und Haupt-werke Danzigs und unter andern auch der Schanze zwischen den äussersten