136 Beilagen.
Westpreussen und eine Haupt-Vorrathsniederlage zu schaffen und dadurch zugleicher Zeit dem Handel Polens einen harten Schlag beizubringen. Aber zuderselben Zeit erschien endlich auf dem Kriegsschauplatze Sigismund selbst mit30,000 Mann Truppen bei Graudenz. Daher war es für Gustav Adolph, ehe erDanzig nahm, nothwendig, sich von Sigismund und der polnischen Armee zu be-freien und deshalb sofort gegen sie vorzurücken, obgleich die schwedische Armeetrotz aller erhaltenen Verstärkungen um 1000 Mann schwächer war als die pol-nische, die noch dazu von dem kriegserfahrenen Sigismund geführt wurde, unterdessen Oberbefehl wiederum sein kampflustiger Sohn Wladislaus (einst zumZaren von Kussland bestimmt) stand.
Die Polen rückten bis Marienburg vor, zogen sich aber nach einigen i^n-bedeutenden Gefechten mit den Schweden zurück, überschritten bei Neuenburgdie Weichsel und belagerten Meve. Der schwedische Commandant beschlosstrotz seiner schwachen Besatzung diese Stadt bis aufs Aeusserste zu verthei-digen. Gustav Adolph sah aber ein, dass der Commandant nicht im Standesein würde dies auszuführen, wenn er nicht mit Munition und Lebensmittelnversorgt werden konnte, und beschloss daher persönlich mit 3000 Mann In-fanterie und 300 Mann Reiterei einen grossen Transport nach Meve zu bringen.Die Polen, die diesen Marsch der Schweden bemerkt, versperrten ihnen beiTagesanbruch den Weg mit leichten (Keiter-)Truppen und einigen Geschützen.Wie es scheint,, hielt Gustav Adolph es nicht für gut, diese Truppen zu werfenoder die polnische Armee in ihrer eigenen Position anzugreifen, sondern zog esvor seinem Unternehmen den Schein einer grossen Recognoscirung zu geben undunter Deckung derselben den Transport und die Verstärkung nach Meve hineinzu bringen. Dieser Versuch, so schwierig er auch war, gelang vollkommen.Dem Grafen Thurn (welcher der schwedischen Armee aus Deutschland Verstär-kungen gebracht hatte) trug Gustav Adolph auf mit einem Theile des schwedi-schen Heeres die Polen zu beschäftigen und zurückzuhalten und rückte untei-dessen von der Seite nach Meve vor, indem er seinen Transport durch Reitereideckte. Die Polen, die ihre ganze Aufmerksamkeit auf Thurn lenkten, glaubtenwahrscheinlich, dass die schwedische Armee sie von Meve abziehen wolle,rührten sich nicht von der Stelle und verstärkten nicht einmal ihre leichtenTruppen, die mit Thurn kämpften. Nach einstündigem Kampfe war Letzterer,aus Furcht von Gustav Adolph abgeschnitten zu werden, gezwungen sich etwaszurückzuziehen, jedoch vermöchte er die von den Polen nicht unterstützten leich-ten Truppen derselben zurückzuschlagen. Inzwischen benutzte Gustav Adolphdie unbegreifliche Uuthätigkeit der polnischen Armee, brachte wohlbehalten denTransport nach Meve und deckte darauf den Rückzug Thurn's durch Reiterei,wobei er nur unbedeutenden Verlust hatte, die Polen aber gegen 500 Manneinbüssten. Auf diese Weise gelang es Gustav Adolph vollkommen, die Polenzu täuschen und mit vollständigem Erfolge die schwere Aufgabe: Angesichtsder ganzen polnischen Armee einen Transport nach Meve hineinzubringen, <u