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Abth. 3, Die Neuzeit Bd. 1 (1874) Kriege der I. Hälfte des XVII. Jahrhunderts, der Dreissigjährige Krieg : 1618 - 1648
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134 Beilagen.

was für einen ungemein grossen Vorrang in dieser Hinsicht das im Vergleichmit ihnen kleine Schweden hatte, und welchen bedeutenden Einfluss es ausübenmusste und auch in der That auf alle Handlungen Schwedens, mit GustavAdolph an der Spitze, sowohl gegen Dänemark als Kussland, besonders abergegeli Polen und späterhin gegen den Kaiser und die Katholiken in Deutsch-land ausübte.

Von seiner Thronbesteigung an unternahm Gustav Adolph nichts Wich-tiges ohne sich mit den Staatsmännern Schwedens berathen und ihnen mit vollerOffenheit und vollem Vertrauen alle seine Beweggründe, Bestrebungen, Aus-sichten , Voraussetzungen und staatlichen, gesetzgebenden Massregeln aus-einandergesetzt zu haben. Und niemals haben die treuen und ihm ergebenenReichsstände sein rückhaltloses Vertrauen missbraucht, nie haben sie seine Vor-schläge zurückgewiesen und ihm verweigert, was er auch nur forderte. Sowar es vor dem Kriege mit Dänemark, Russland und Polen, ebenso auch imJahre 1625. In dieser Zeit nämlich wurde auf den Antrag Gustav Adolph'smit vollständiger Beistimmung der Reichsstände der Grund zu dem ausgezeich-neten System der Militärorganisation Schwedens gelegt (s. das 1. Kapitel diesesBandes), nach welchem die active oder Feldarmee bis auf 80,000 Manngebracht und ausserdem eine Reservearmee eingerichtet wurde (eine angesesseneLandwehr oder Miliz, die im Falle eines Ausmarsches der Feldarmee ausSchweden diese im Lande zu vertreten hatte).

Als diese wichtigen Massregeln in Kraft getreten waren, und alle Hoffnungsich mit Sigismund auszusöhnen gänzlich schwand, segelte Gustav Adolph mit20,000 Mann Truppen auf einer Flotte von 76 Fahrzeugen im Juni 1625nach den Mündungen der Düna ab. Anfang Juli dort angekommen, griff ersofort Kockenhusen und alle übrigen, noch von den Polen besetzten Punkte inLivland an, eroberte diese und vollendete damit die Eroberung Livlands.Der Versuch eines polnischen Obersten, mit 2000 Mann Riga durch einenplötzlichen Ueberfall und Helfershelfer in der Stadt zu nehmen, misslang. DerOberst und seine Truppen wurden geschlagen und aufgerieben. Der litthauischeMarschall Stanislaus Sapieha, der sich Riga mit 2000 Manu Reiterei, 1000Mann Fussvolk und Artillerie genähert hatte, wurde ebenfalls geschlagen undverlor alle seine Geschütze. Nachdem Gustav Adolph darauf bei Riga alle seineTruppen concentrirt hatte, rückte er nach Kurland vor und besetzte Mitau undBauske. Leon Sapieha (der Vater des Stanislaus) kam mit 2600 Mann Reitereiund 1300 Mann Fussvolk der Stadt Bauske zu Hülfe, Gustav Adolph aber gingihm entgegen, in der Absicht sich mit ihm in einen entscheidenden Kampf ein-zulassen, in welchem er seine ganze Hoffnung auf seine ausgezeichnete Infan-terie setzte, Sapieha aber auf seine an Zahl überlegene und besser beritteneReiterei (bei den Polen die Haupttruppenart). Den 7. Januar 1626 traf GustavAdolph mit Sapieha bei Wallhof in Kurland zusammen und schlug ihn aufsHaupt: die Polen verloren an Todten 1600 Mann, viele Gefangene, ihre