I. Gustav II. Adolph, König von Schweden. 133
Die Ursachen, weshalb Sigismund immer von einem Friedensschlnss ab-lenkte und nur in eine Verlängerung des Waffenstillstandes willigte, lagen infolgenden Umständen: Gustav Adolph als protestantischer und zwar sehr treuprotestantischer König hatte in Polen und Oesterreich viele Anhänger unterden Protestanten. Diese bildeten eine grosse Anzahl mit der Regierung Unzu-friedener und setzten ihr, besonders in Polen, eine starke Opposition entgegen.Es ist sehr natürlich und verständlich, dass Sigismund, sowie der Kaiser undder König von Spanien, als eifrige Katholiken und ausserdem unter einanderverwandt, ihrerseits sich fest zum gemeinschaftlichen Handeln gegen die Prote-stanten überhaupt, insbesondere aber gegen die in Polen und Oesterreich undnoch mehr gegen den begabten und geschickten Gustav Adolph, der in Schwe-den, Polen, Oesterreich, Deutschland und dem ganzen übrigen Europa schondie grösste Achtung genoss, verbanden. Deshalb hätten sie es bei Weitemlieber gesehen, wenn auf dem schwedischen Throne an Stelle Gustav Adolpli'sder fanatische Sigismund gesessen hätte, um so mehr, als sie Gustav Adolphfür einen Räuber des schwedischen Thrones hielten, ihn nicht als schwedischenKönig anerkannten und nicht anders als den Usurpator nannten. Ausserdemfürchteten sie und besonders der Kaiser, dass Gustav Adolph früher oder spätersich an die Spitze der deutschen Protestanten stellen und gegen sie die Waffenrichten werde. Auf diese Erwägungen gründete sich auch die ganze listigeund ränkevolle Politik Sigismund's, Spaniens und hauptsächlich des öster-reichischen Hofes, um so mehr da ihre heimlichen und thätigen Heizer undFührer geschworene Feinde der Protestanten und besonders Gustav Adolph's,ja überhaupt der Ruhe und des Friedens in Europa waren — nämlich dieJesuiten, diese Seuche Europas und der ganzen Welt. Daher konnte dennauch von einem lang anhaltenden und dauerhaften Frieden zwischen Sigismundund Gustav Adolph keine Rede sein, und dessen war sich Gustav Adolph sehrwohl bewusst. Wenn er nun dessen ungeachtet beständig bemüht war, sich mitSigismund auszusöhnen, so that er es nur, um vor ganz Europa und vor derganzen Welt die wirkliche Uneigennützigkeit seiner zum Wohle Schwedens die-nenden Handlungen, die aber jeglichen ehrgeizigen Absichten fremd blieben,darzulegen.
Wenn er jedoch nicht im Stande war, seine geschworenen Feinde davon zuüberzeugen, so ist das völlig Entgegengesetzte von dem schwedischen Volkeund den Reichsständen zu sagen. Ihre Liebe, ihre Achtung und ihr Zutrauen zuGustav Adolph waren so unbegrenzt, die Ueberzeugung von der Reinheit seinereinzig auf das Wohl Schwedens gerichteten Absichten und Bestrebungen so starkund unerschütterlich, und daher ihre gegenseitige Eintracht so vollständig, dasssie in Wirklichkeit ein seltenes Beispiel in der Geschichte bietet und das schroffeGegentheil in den Beziehungen zwischen den Herrschern Spaniens, besondersPolens und Oesterreichs und ihren Völkern, wo bei Weitem eine solche Ein-tracht und Einheit nicht obwalteten, in grelles Licht setzt. Es ist erklärlich,