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Abth. 3, Die Neuzeit Bd. 1 (1874) Kriege der I. Hälfte des XVII. Jahrhunderts, der Dreissigjährige Krieg : 1618 - 1648
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132 Beilagen.

stände befand und von einer starken, trefflichen Garnison und den Bürgern ver-theidigt wurde. Zum Glück für'Gustav Adolph konnte Sigismund damals nachRiga keine Hülfstruppen schicken, weil um dieselbe Zeit 300,000 Mann Türkenin Polen eingefallen waren. Gustav Adolph aber begann und leitete die Belage-rung auf die energischste Weise, indem er die Festung mit einer Contravalla-tionslinie umgab, hinter welcher das schwedische Heer in vier Theile getheilt,die an Stärke ungleich waren, aufgestellt wurde. Dreimal bot er der Festungfreiwillige Uebergabe an, doch vergeblich; dann endlich eröffnete er das Bom-bardement. Ein sich Riga näherndes polnisches Heer von 10,000 Mann unterder Führung des Fürsten Christoph Radziwill wurde geworfen, zwei der äusserenBefestigungen mit Sturm genommen; zwei andere Angriffe jedoch wurden ab-geschlagen. Darauf wurden Minen angelegt, Alles zu einem Hauptsturme vor-bereitet und der Festung eine Frist von sechs Stunden zur Uebergabe gegeben;am 16. September capitulirte sie unter günstigen Bedingungen nach vierwö-chentlicher Belagerung und Vertheidigung. Gustav Adolph verfuhr mit denEinwohnern Rigas sehr grossmüthig, nahm ihren Eid der Treue an, verjagteaber die Jesuiten.

Von Riga marschirte er nach Mitau und legte in die Stadt 2000 MannBesatzung, nicht in feindlicher Absicht, sondern aus strategischen Gründen, dader Herzog von Kurland ihm schon lange wohlwollend gesinnt, ja sogar ergebenwar. Von hier wollte Gustav Adolph nach Polen gehen und Sigismund mitWaffengewalt zum Frieden zwingen, vorher aber trat er wieder mit ihm inFriedensunterhandlungen. Sigismund verweigerte den Friedensschluss, willigteindess wegen der Kriege mit den Türken und Tataren in die Verlängerung desWaffenstillstandes bis Ende 1622 und Hess Gustav Adolph die Gewalt über denvon ihm eroberten Theil Livland's. Darauf räumte Gustav Adolph Kurlandund kehrte nach Stockholm zurück.

Bald darauf starb sein Bruder Karl Philipp. Für Gustav Adolph war dessenTod um so schmerzlicher, da er selbst keinen Nachfolger hatte; in Sigismund da-gegen erweckte derselbe noch grössere Hoffnungen auf den schwedischen Thron.Unterstützt von seinem nächsten Verwandten, dem Kaiser Ferdinand IL, wollteSigismund durchaus von dem schwedischen Throne Besitz ergreifen und zu die-sem Zwecke den Krieg nach Schweden verlegen; da er aber keine Flottebe-sass, begab er sich in die reiche Handelsstadt Danzig, welche ihm eine stellenkonnte. Als Gustav Adolph davon erfuhr, erschien er mit einer Flotte vor Dan-zig und forderte eine entschiedene Antwort von der Stadt, ob sie für oder gegenihn sein wolle, und erhielt das Versprechen, dass sie bis zum Ablaufe desWaffenstillstandes eine strenge Neutralität beobachten werde, womit auch Sigis-mund einverstanden war. Aber Gustav Adolph verlangte von Danzig Neutra-lität im Frieden und Kriege. Auch darein willigten die Stadt sowohl, als auchSigismund, und Letzterer schlug jetzt selbst eine Verlängerung des Waffenstill-standes vor. Gustav Adolph ging darauf ein und kehrte nach Schweden zurück.