' I. Gustav II. Adolph, König von Schweden. ] 29
liehen FiihniDg Christian's IV. vor, Elfsnabben und Norrköping zu nehmen,letzteres zu jener Zeit eine Grenzfestung, und dann ungehindert in Schwedeneinzudringen. Gustav Adolph hatte sich zur Deckung dieser Festung bei Norr-köping aufgestellt, war aber zu Lande und noch mehr zu Wasser viel zuschwach gegen die bedeutenden Streitkräfte der Dänen. Elfsborg wurde vonden Dänen genommen, und Christian, der die Abwesenheit Gustav Adolph'sbenutzen wollte, um Stockholm zu erobern, war mit seinem Heere schon bisWaxholm vorgedrungen, zwei Meilen von der Hauptstadt entfernt. Aber GustavAdolph eilte mit einer kleinen Heeresabtheilung rasch herbei, bewaffnete inStockholm alle kampffähigen Bürger, marschirte mit ihnen nach WaxholmChristian entgegen und rettete auf diese Weise- Stockholm, indem er Christianzum Abzüge nöthigte. Verstimmt über das Misslingen dieses Feldzuges willigteChristian in den Frieden. Gustav Adolph ging um so lieber auf diesen Friedenein, als er diesen für Schweden so ungünstigen Krieg mit dem an Streit-kräften überlegenen Dänemark rascher beenden wollte, um dann all seineKräfte gegen Russland und hierauf gegen Polen richten zu können. So wurde1613 zwischen Schweden und Dänemark der Frieden von Siöröd geschlossen,nach welchem Christian an Schweden Elfsborg, Kalmar und alle seine Erobe-rungen zurückgab und Gustav Adolph ihm dafür eine Million Reichsthalerzahlte.
Darauf wollte Gustav Adolph in demselben Jahre (1613) sich gegen Russ-land wenden. Sein Vater Karl IX. hatte Kardien erobert, aber zu dem An-trag , in jener für Russland so unruhigen Zeit den russischen Thron durch denjüngeren Bruder Gustav Adolph's , Karl Philipp, zu besetzen , seine bestimmteEinwilligung nicht gegeben. Nach dem Abschlüsse des Friedens mit Däne-mark fasste Gustav Adolph den Entschluss, die Ansprüche seines Bruders aufden russischen Thron aufrecht zu erhalten und ihn durch Heeresmacht persön-lich in den Besitz desselben zu setzen. Aber um diese Zeit trat ein Umstandin Gustav Adolph's Leben ein, der, wenn er auch zeitweilig seine Thätigkeithemmte, doch nur dazu diente, ihn die Bekämpfung seines eigenen Willens zulehren. Grade in diese Zeit fällt nämlich die leidenschaftliche Liebe des19jährigen König3 zur jungen und schönen Gräfin Ebba Brahe, die er heirathenwollte, sich aber schliesslich doch dem Willen seiner Mutter fügte, die, obgleichsie der Granu Brahe sehr geneigt war, doch den Sohn überredete, von diesernicht standesgemässen Ehe abzusehen. Dieser moralische Sieg Gustav Adolph'süber sich selbst, bei seiner grossen Jugend, ist ein heller Zug in seiner Charak-teristik. Im Jahre 1614 erneuerte er seinen Entschluss, in entscheidenderWeise gegen Russland vorzugehen, aber vordem ordnete er einsichtsvoll alleinneren Angelegenheiten Schwedens und traf viele wichtige Massregeln zurVertheidigung desselben, für die Rechtspflege, Schifffahrt, den Handel etc.
Inzwischen war in Russland 1613 Michael Feodorowitsch Romanow zumZaren erwählt worden. Der schwedische General Jacob de la Gardie, Befehls-
Galitzin, Allgem. Kriegsgeschichte. III, 1. •'