Druckschrift 
Abth. 3, Die Neuzeit Bd. 1 (1874) Kriege der I. Hälfte des XVII. Jahrhunderts, der Dreissigjährige Krieg : 1618 - 1648
Entstehung
Seite
128
Einzelbild herunterladen
 

128 Beilagen.

auf dem Sterbebette, sagte er, als man ihm eine wichtige Angelegenheit vorlegte:«Die Dinge dieser Welt gehen mich nichts mehr an, ich lasse sie (auf GustavAdolph deutend) in den besten Händen.« Bemerkenswertk ist jedoch, dass er,ungeachtet all seiner Hoffnungen auf Gustav Adolph, einsichtsvoll eine Regent-schaft aus den erfahrensten Männern des Staates einsetzte, bis Gustav Adolphdas nach schwedischen Gesetzen zur Thronbesteigung erforderliche Alter von24 Jahren erreicht haben würde. Aber nach seinem Tode beschlossen dieReichsstände aus freiem Antriebe, einmüthig und einstimmig: in Anbetrachtder ganz aussergewöhnlichen Umstände und Lage des damaligen Schwedens vondem Grundgesetze abzuweichen, indem sie dem noch nicht 17jährigen GustavAdolph die volle Gewalt übergaben und ihn zum König ernannten. Unter demschwedischen Volke fand diese That den grössten Anklang und die vollsteBilligung,und in den 21 Jahren (16111632) der segensreichen ruhm-vollen Regierung Gustav Adolph's hat es weder seine Gefühle für ihn noch seinVertrauen zu ihm je geändert.

Eine der ersten Handlungen Gustav Adolph's war die Besetzung vacanter,wichtiger Aemter in der Staatsverwaltung. Axel Oxenstjerna, einer der JüngernMitglieder des Reichsraths, war der Erste, auf den die seiner würdige WahlGustav Adolph's fiel, indem er ihn zum Reichskanzler Schwedens ernannte, derallen innern und äussern Regierungsgeschäften vorstand. Oxenstjerna recht-fertigte diese Wahl vollkommen ; er war einer der besten Generale der schwedi-schen Armee und Staatsmänner des Reichs und war stets der beste Rathgeber,Gehülfe und treue Freund Gustav Adolph's bis zum Tode des Letztern.

Zunächst musste Gustav Adolph zugleich den Krieg mit Dänemark, Polenund Russland fortführen. Weise beschloss er, ihn mit jedem Lande einzeln zubeenden, indem er mit dem nächsten, Schweden benachbarten Lande, Däne-mark, begann. In Anbetracht dessen, dass eine Belagerung von Kalmar sehrviel Zeit erfordern würde und er diese Festung später vielleicht auf eine an-dere leichtere Weise zurückzugewinnen hoffte, unternahm er im Jahre 1612einen Diversionszug nach Dänemark selbst, und marschirte persönlich mitseinen Hauptkräften nach Schonen, wo Christian IV., der dänische König, eineHeeresabtheilung unter dem Oberbefehl des Herzogs Georg von Lüneburg zu-rückgelassen hatte. Der Herzog von Ostgothland sollte unterdessen Elfsborggegen die dänische Flotte decken.

In Folge dieses schon an und für sich ungewöhnlichen Operationsplanesbelagerte Gustav Adolph Helsingborg, aber dies misslang ihm. Die Dänenführten einen unerwarteten Ueberfall auf ihn aus und nöthigten ihn zum Rück-zuge, wobei er selbst grosser Gefahr ausgesetzt war. Dieser erste Fehl-schlag, gleich am Anfange der Kriegsoperationen entmuthigte aber GustavAdolph durchaus nicht, sondern reizte ihn nur noch mehr, und so unternahmer einen zweiten Diversionszug nach Norwegen. Aber auch dieser hatte keinenErfolg. Unterdessen bereiteten sich die dänischen Truppen unter der persön-