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Abth. 3, Die Neuzeit Bd. 1 (1874) Kriege der I. Hälfte des XVII. Jahrhunderts, der Dreissigjährige Krieg : 1618 - 1648
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I. Gustav II. Adolph, König von Schweden. 127

(wegen seiner fanatischen Ergebenheit an den Katholicismus und seines Hassesgegen die protestantische Religion) abgesetzt und Gustav Adolph's Vater zumKönige erhoben hatten, wollte derselbe Schweden einen solchen Nachfolgerhinterlassen, der mit starkem kräftigem Arme das Keich gegen seine in damaligerZeit so zahlreichen Feinde, an deren Spitze Dänemark, Russland und vor allenDingen Polen oder besser gesagt Sigismund, der geschworene Feind Schwedensund ein persönlicher Feind Karl's IX. und später Gustav Adolph's, standen,beschützen könnte.

Als Beweis für die hohen Erwartungen, welche Karl IX. in die ZukunftGustav Adolph's setzte, dient, dass er, sobald die Rede auf irgend welcheweitumfassenden wichtigen Pläne seitens Schweden kam, stets sagte : »Ich hegekeine Hoffnung, sie, selbst ausführen zu können, aber hier dieser (auf GustavAdolph weisend) wird Alles vollbringen.« Und das schwedische Volk theilteganz die Hoffnung des Königs in Bezug auf Gustav Adolph und widmete ihmvon seiner frühesten Jugend an eine tiefe Liebe und Achtung. Die Folge hatgezeigt, dass Gustav Adolph vollkommen der ersteren entsprochen und derletzteren werth war.

In seinem zwölften Lebensjahre trat Gustav Adolph schon in den activenDienst ein; den Kriegsdienst begann er in der Armee von der untersten Stufean, den Civildienst, indem er an den Regierungsgeschäften und an den Sitzun-gen des Reichsraths theilzunehmen anfing. Aus diesem Grunde, sagt Frixel,konnte er seine Erziehung und Ausbildung nicht ganz und ruhig vollenden;aber auch später Hess er in freien Stunden Johannes Skytte kommen und fuhrfort, unter seiner Anleitung zu arbeiten. In Regierungsangelegenheiten, sowohlmilitärischer als civiler Art, war Axel Oxenstjerna, einer der besten Militäreund Staatsbeamten Schwedens, sein Hauptlehrer.

So verflossen fünf Jahre bis 1611, als Gustav Adolph, 17 Jahre alt, vomKönige, seinem Vater, für mündig erklärt und in dem grade mit Dänemarkbeginnenden Kriege zum Befehlshaber einer kleinen Heeresabtheilung bestimmtwurde. Der Krieg nahm von Anfang an eine für Schweden ungünstige Wen-dung, weil die Dänen sich sofort der Festung Kalmar bemächtigten. Aber GustavAdolph begab sich mit seiner Heeresabtheilung zu Wasser auf die Insel Oeland,eroberte dieselbe und nahm das Schloss Borgholm. Auf dem Rückwege fing ereinen Brief des dänischen Commandanten der kleinen Festung Christianopel auf:in diesem Briefe bat der Commandant den König, ihm eine Verstärkung von 500Mann Reiterei zu senden. Gustav Adolph benutzte dies ohne Aufschub: erHess 500 schwedische Reiter in dänische Uniform kleiden und führte sie persön-lich nach Christianopel, traf in der Nacht dort ein, wurde eingelassen und be-mächtigte sich der Festung. Es waren seine ersten und vollständig gelungenenKriegsthaten, die seine Geistesgegenwart, Kühnheit und seinen Unternehmungs-geist klar bekunden.

Bald darauf, in demselben Jahre, starb Karl IX. ; noch vor seinem Tode,