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Abth. 3, Die Neuzeit Bd. 1 (1874) Kriege der I. Hälfte des XVII. Jahrhunderts, der Dreissigjährige Krieg : 1618 - 1648
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126 Beilagen.

aus, besonders aber durch seinen Blick, der vollkommen seine schöne Seele,seinen ausgezeichneten Verstand wiederspiegelte. Die Kesultate seiner Erziehungund Ausbildung unter der Hauptleitung seiner Eltern und Axel Oxenstjerna's,der in der Folge sein bester Freund wurde, sowie seines auch späterhin stetsnoch hoch geschätzten gelehrten Erziehers Johann Skytte's, waren in Wahrheiterstaunenswerth. Schon in seinem zwölften Lebensjahre drückte er sich ausserin seiner Muttersprache, der schwedischen, geläufig in fünf fremden Sprachenaus: im Lateinischen, Dänischen, Deutschen, Französischen und Italienischen;später erlernte er noch das Polnische und Russische. Zur Leetüre und zu wissen-schaftlichen Beschäftigungen hatte er eben so grosse Lust, sogar Leidenschaft,so wenig er sie zum Mässiggange, zu Vergnügungen, Spielen, Zerstreuungen,Spazierfahrten, zur Jagd etc. hatte. »Schon als Knabe« so erzählt der Ge-schichtschreiber Schwedens, Frixel (siehe weiter unten) »sass er weit nachMitternacht noch über den Büchern.« Seine Lieblingsschriftsteller waren Xeno-phon, Seneca und besonders Hugo Grotius, ein gleichzeitiger Philosoph undPolitiker. Auch die Geschichte liebte er und beschäftigte sich gern und eifrig mitihr, indem er sie eine Lehrmeisterin des Lebens nannte. Nur zu einer Wissen-schaft, die grade zu seiner Zeit sehr beliebt war, der Metaphysik, hatte erkeine besondere Neigung, vielleicht hierin beeinflusst durch Johannes Skytteund die römischen Philosophen. In ihm entwickelte sich auch das Talent einesRedners und Schriftstellers: er sprach eben so schön als er in Prosa und Versenschrieb. Er war der beste Redner Schwedens, und viele seiner Gedichte, be-sonders solche religiösen Inhalts, sind Eigenthum des Volkes geworden und ge-blieben. Zu körperlichen Uebungen jeder Art, wie Laufen, Springen über Hinder-nisse, Waffenübungen, Reiten etc. hatte er viel Geschick und grosse Liebhabereiund bewies dabei eine ungemeine Gewandtheit und Kühnheit und war unter an-derm ein ausgezeichneter Reiter. Mit einem Worte die Natur hatte ihn mitallen körperlichen, geistigen und Herzensgaben reichlich ausgestattet und in allendiesen Beziehungen war er die vom Menschen überhaupt zu erreichende Vollkom-menheit. Seine wohl nur einzigen Mängel waren : ein ungewöhnlich heftiges auf-brausendes Temperament und damit verbunden ein Ueberstürzen, das zuweilenUngelegenheiten zur Folge hatte. Besonders in der ersten Jugendzeit, sagtFrixel, erlaubte er sich häufig harte Worte und sogar Schläge auszutheilen,und es wurde ihm schwer, ja sogar unmöglich, die Ausbrüche seiner Heftigkeitzu zügeln. Aber die Jahre und Erfahrungen, noch mehr sein eigenes Bestreben,lehrten ihn endlich die Kunst, sich selbst zu beherrschen. Er versöhnte sichleicht und rasch, bemühte sich eifrig und grossmüthig jedes Vergehen wiedergut zu machen und nährte nie lange Hass und Groll.

Nach all dem Gesagten kann man leicht begreifen, mit welchen Augender Vater und das ganze schwedische Volk auf Gustav Adolph blickten undwelche Hoffnungen man schon in seiner Kindheit auf ihn setzte. Nachdem dieReichsstände im Jahre 1604, als Gustav Adolph zehn Jahre alt war, Sigismund