6. Dritte Periode des dreissigjährigen Krieges (1635—1648). ng
Der Krieg in den Niederlanden wurde mehr und mehr ein Festungskrieg,und Festungen, sowie befestigte Städte, Lager, Positionen und Linienerlangten eine immer grössere Wichtigkeit. Aus dieser Unentschlossen-heit der Operationen gingen auch die Unwichtigkeit ihrer Kesultate unddie lange Dauer des Krieges hervor.
Die Operationen in Deutschland haben einen entschiedeneren Cha-rakter. Im Laufe von zwölf Jahren machen die schwedischen Generaleeinerseits und die französischen anderseits mehr oder minder rascheweite Märsche, von Norden — nach Sachsen, Schlesien, Böhmen undMähren, im Westen — ; vom Rhein zur Donau, nach Baiern und Oester-reich. Im Laufe von zwölf Jahren erlangen diese und jene wiederholtspecielle Erfolge und dringen bis nach Wien vor, sind aber nie imStande, ihre Erfolge sicher zu stellen, noch wichtige und entschiedeneKesultate au erzielen. Auf diese Weise nahm der Krieg in Deutschland,welcher Gustav Adolph eine Begelmässigkeit und Vereinigung von Ent-schlossenheit mit Vorsicht verdankte, seinen früheren unregelmässigenunordentlichen Charakter wieder an. Viele Ursachen trugen dazu bei;die wichtigsten waren folgende:
Der Krieg wurde nicht, wie zu Gustav Adolph's Zeit, in einem be-stimmten Theile Deutschlands geführt, sondern, mit einziger Ausnahmeder deutschen Erblande des Hauses Oesterreich, auf ganz Deutschlandausgedehnt. Während der Schauplatz der Kriegsoperationen sich so un-gemein vergrösserte, verminderten sich auf beiden kriegführenden Seitenbedeutend die Kräfte und Mittel, und letztere waren in dem überall ver-wüsteten Lande fast gänzlich erschöpft. Der langjährige, grausameKrieg, der das Land ausgesogen und die Bewohner zu Grunde gerichtethatte, erzeugte einen immer lauter werdenden Wunsch nach Frieden.Aber dessen ungeachtet wollte jede einzelne Partei, obgleich sie Friedenwünschte, keinen anderen als den für sich selbst vortheilhaftesten. Dieungemein wichtige und schwierige Bestimmung des westphälischen Con-gresses Hess die Berathungen und politischen Handlungen desselben ge-wissermassen den ersten Platz einnehmen, den Kriegsoperationen aberwurde jenen gegenüber nur eine untergeordnete Bedeutung und Wichtig-keit beigelegt und sie dienten nur als Mittel, der einen oder andern Parteiauf dem Congress einen grössern Nachdruck zu geben. Die PolitikFrankreichs, die beständig darnach strebte, das Gleichgewicht zwischenbeiden kriegführenden Mächten zu erhalten, hatte auch im Laufe derganzen dritten Periode des dreissigjährigen Krieges einen bedeutendenEinfluss auf die Kriegsoperationen. Was schliesslich die Kriegskunstbetrifft, so waren, wenngleich einige Feldherren, besonders die schwedi-schen Generale Baner, Torstenson und Wrangel, und die französischenConde und Turenne, entschieden und geschickt operirten, sie alle doch