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Abth. 3, Die Neuzeit Bd. 1 (1874) Kriege der I. Hälfte des XVII. Jahrhunderts, der Dreissigjährige Krieg : 1618 - 1648
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Hg I. Dreissigj ähriger Krieg.

neigte, so entsandte Frankreich im Jahre 1648 abermals die Armee Tu-renne's den Schweden zu Hülfe. Nachdem Turenne undWrangel sich amlihein vereinigt hatten, rückten sie wieder in Baiern ein, kamen bis zumInn und bedrohten schon von Westen die Erblande des Kaisers, währendKönigsmark mit 5000 Mann Trappen einige Erfolge im nördlichen Böhmenerzielt und den am linken Moldau-Ufer gelegenen Theil Prags eroberthatte. Da machte der zu derselben Zeit in Münster und Osnabrück(24. October 1648) endgültig abgeschlossene westphälische Frieden demdreissigjährigen Kriege ein Ende.

§. 57.~Allgemeine Schlussfolgerung über die Art und Kunst der Kriegführungin der dritten Periode des dreissigjährigen Krieges.

Bei Prüfung der dritten Periode des dreissigjährigen Krieges ergebensich im Allgemeinen folgende Resultate: ,

Der Krieg in Deutschland und der neu entbrannte Krieg Frankreichsmit Spanien haben einige allgemeine Aehnlichkeit und doch auch beson-dere Verschiedenheit unter einander. Sowohl der eine als der anderehatten wichtige politische Zwecke: die religiös-politische Freiheit Deutsch-lands, die Aufrechterhaltung des politischen Gleichgewichts in Europa,das seitens des Kaisers offene und seitens Frankreichs verborgene Strebennach Erweiterung ihrer Grenzen, Macht und Gewalt und nach politischerOberherrschaft in Europa. Die Ideenentwickelung über Völker- und Staats-recht und über das politische Gleichgewicht vergrösserte die Wichtigkeitund Bedeutung der Politik und ihrer Handlungen und ihren Einfluss aufdie Kriegsoperationen. Dieser Wichtigkeit der Politik und der politischenZwecke beider Kriege entsprechend, wurden zur Erreichung derselbenüberlegene Streitkräfte seitens des Kaisers und besonders von SeitenFrankreichs in Bewegung gesetzt, schwächere dagegen von Seiten derSchweden, Protestanten und Spaniens, so dass zwischen beiden krieg-führenden Parteien im Allgemeinen einigermassen ein Gleichgewicht anKräften und Mitteln herrschte.

Aber Frankreich, das in Deutschland nur mit einem Theile seinerStreitkräfte operirte, indem es bald die Schweden unterstützte, bald abersie wieder auf ihre eigenen Kräfte beschränkte, je nach welcher Seite hinsich das Uebergewicht neigte, operirte mit seinen Hauptkräften gegenSpanien in den Niederlanden, in Norditalien, Roussillon, Spanien und aufdem Meere. Die Operationen in diesen Gegenden hatten den allgemeinenCharakter der Unentschlossenheit: bei der Wichtigkeit der politischenZwecke waren die Ziele der Kriegsoperationen selbst unbedeutend undbeschränkten sich grösstentheils, besonders in den Niederlanden, aufBelagerung, Vertheidigung und Deckung von Festungen und Städten.