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Abth. 3, Die Neuzeit Bd. 1 (1874) Kriege der I. Hälfte des XVII. Jahrhunderts, der Dreissigjährige Krieg : 1618 - 1648
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120 I- Dreissigjähriger Krieg.

nicht im Stande, den Krieg so zu führen, wie ihn Gustav Adolph führte.Obgleich seitens des Kaisers und der Katholiken nach Wallenstein's Todedie politischen Handlungen eine Einheit und ein beständiges bestimmtesZiel hatten, so war der Befehl über die Truppen und die Verwaltung desKrieges mehr oder weniger mittelmässig. Seitens der Protestanten aberwaren noch weniger als früher sowohl in den politischen Handlungen alsin den Kriegsoperationen Einheit, Uebereinstimmung und Geschicklich-keit zu finden. Zwar wollten sie den Krieg nach dem Plane GustavAdolph's in demselben Geiste und Umfange fuhren, aber nicht eine derdazu erforderlichen Bedingungen war vorhanden. Die Armeen machtenweite schnelle Märsche von einem Ende Deutschlands bis zum andern.Die Verwüstung des Landes und die Schwäche der Streitkräfte gestattetenihnen nicht, lange an einem Orte.zu bleiben, weder sich im Lande fest-zusetzen, noch ihre Flügel, Rücken und Oommunicationen sicherzustellen.Bald von Norden, bald von Westen schnell nach den Erblanden desKaisers und nach Baiern als den weniger vom Kriege mitgenommenen undin politischer Hinsicht wichtigsten Gegenden vorrückend, fanden sie dortüberlegene Streitkräfte des Kaisers und des Kurfürsten von Baiern, undaus Mangel an Proviant, weil sie nicht aus Magazinen verproviantirt,sondern unregelmässig vom Lande unterhalten wurden, waren sie nichtim Stande, wichtige und dauerhafte Erfolge zu erzielen, sondern warenfast immer gezwungen, sich zur Ostsee oder zum Rhein hin zurückzu-ziehen. Unterdessen waren die Umstände selbst, theils auch die Nach-ahmung Gustav Adolph's die Ursache, dass nach und nach den Festungen(besonders in den Niederlanden) und den befestigten Städten, Lagern,Positionen, Linien etc. immer grössere Wichtigkeit beigelegt wurde, dieVerpflegung der Armeen bisweilen, am Ende des Krieges, schon ausMagazinen geschah, und dass sich in Folge dessen die Wichtigkeit derCommunicationen der Armee unter einander, ihrer Sicherstellung undVertheidigung herausstellte.

Alle diese Momente zusammengenommen prägen der dritten Periodedes dreissigjährigen Krieges einen besondern Charakter auf, indem-allesAlte unter einander geworfen, mit vielem durch die HandlungsweiseGustav Adolph's erzeugten Neuen kämpft. Noch ist der Hang zur alteneingewurzelten unregelmässigen Art der Kriegführung da, aber es zeigtsich schon, freilich ohne sich Rechenschaft geben zu können, ein Bestrebennach Entwicklung und Vervollkommnung derjenigen Kunst, zu der GustavAdolph feste Fundamente gelegt. In diesem Sinne kann man die drittePeriode des dreissigj ährigen Krieges als eine Epoche der weiteren Ent-wicklung der neuern Kriegsführungkunst, deren Schöpfer Gustav Adolphwar, ansehen.