6. Dritte Periode des dreissigjährigen Krieges (1635—1648). 115
heim zurückgelassenen Truppen wurde plötzlich von den Baiern in deneigenen Quartieren angegriffen und zum Rückzug hinter den Rhein ge-zwungen. Um diesen neuerdings erlittenen Unfall wieder gut zu machen,ging eine starke französische Armee unter Conde's Commando zum zweitenMal über den Rheinstrom, vereinigte sich mit Turenne's Corps, den hessi-schen und einigen schwedischen Truppen und unternahm eine Offensiv-bewegung nach Baiern. Als diese Armee aber die Baiern bei Nördlingengeschlagen und Letztere sich hinter die Donau zurückgezogen hatten,kehrte sie nach Schwaben zurück, beschränkte sich auf die Einnahmeeiniger Städte und entfernte sich bald gänzlich hinter den Rhein. Conde mitseiner Hauptmacht ging nach Nordfrankreich, Turenne aber mit einemTheile des Heeres nach dem Elsass. Nur der Mangel an Lebensmittelnhinderte die Baiern, den Krieg jenseits des Rheins zu verlegen, undsolcher Gestalt hatten die vier gelungenen Feldzüge der französischenArmee gar keine wichtigen und festen Resultate, weil Frankreich nur.das Gleichgewicht zwischen beiden streitenden Parteien in Deutschlandaufrecht erhalten wollte.
Während die französischen Truppen am Rhein und an der Donauoperirten, sammelte Torstenson, der Ende des Jahres 1641 nach Baner'sTode den Befehl über die schwedischen Truppen in Deutschland über-nommen hatte, einen grossen Theil Truppen und Besatzungen, die inNorddeutschland zerstreut waren, rückte mit ihnen im Frühjahre 1642schnell über Schlesien nach Mähren vor und belagerte Olmütz, indem erDetachements bis nach Wien absandte. Die gegen ihn in überlegenerZahl anmarschirenden kaiserlichen Truppen nöthigten ihn, sich nachBrandenburg zurückzuziehen, von wo er bald, durch Truppen verstärkt,von Neuem in Schlesien einrückte. Aber der Marsch kaiserlicher Truppenaus Böhmen nach Sachsen zwang ihn zum Rückzug nach Leipzig. Hierwurde am 23. October 1642 a. St. die zweite Schlacht bei Leipzig zwischenden Schweden, die, wie früher Tilly, mit dem Rücken nach Leipzig zuaufgestellt waren, und den von Dresden und Torgau her angerücktenkaiserlichen Truppen geschlagen. Die Schlacht endete schliesslich mit dergänzlichen Niederlage der letzteren. Den Winter verbrachte Torstensonin Quartieren in Sachsen und rückte im Frühjahr 1643 von Neuem nachMähren vor; zu der Zeit hatte aber Dänemark, vom Wiener Hofe dazuveranlasst, an Schweden den Krieg erklärt und Torstenson erhielt denBefehl, seine Hauptmacht gegen dasselbe nach Holstein und Jütland voivzuschicken. Aus Mähren, wo er sich damals befand, führte Torstensondiesen Marsch mitten durch Deutschland so schnell, geheim und geschicktaus, dass er ganz unerwartet in Holstein und Jütland erschien und inkurzer Zeit diese beiden Länder unterwarf. Die durch seine verschie-denen Scheinbewegungen irre geleiteten kaiserlichen Truppen wandten