6. Dritte Periode des dreissigjährigen Krieges (1635 —1648). H3
den schwedischen Truppen, die dort unter dem Befehle Wrangel's stan-den, mit Gewalt sich zu erzwingen. Aber mit dem Rücken zum Meerehingedrängt, erfocht er bei Wittstock einen entscheidenden Sieg über diean Zahl überlegenen kaiserlichen und sächsischen Truppen. Im folgendenJahre (1637), als er sich aus Sachsen hinter die Warthe zurückgezogenhatte, wurde er gänzlich von der Oder und Wrangel abgeschnitten undnur durch List gelang es ihm, sich und seine Armee von Vernichtung oderGefangenschaft zu retten : erstellte sich, als ob er nach den Grenzen Polenshinziehe und betrog somit seine Gegner, und als diese sich nach dieserSeite hin wandten, rückte er schnell zur Oder vor, überschritt dieselbeund vereinigte sich mit Wrangel. Darnach vertheidigte er zwei Jahrelang Pommern, welches die kaiserlichen Truppen, nach dem Tode deskinderlosen Herzogs Bogislaw, zu unterwerfen trachteten. Als aber imJahre 1640 die Hauptmacht des Kaisers nach demRhein abgezogen wurde,ging Baner von Neuem zur Offensive über, drang in Böhmen ein undbegann es grausam zu verwüsten. Der Einmarsch neuer und zahlreicherkaiserlicher Truppen in Böhmen unter Piccolomini's Befehl aber zwangihn sich nach .Sachsen zurückzuziehen. Nach einer bei Plauen erlittenenNiederlage bezog er eine befestigte Stellung bei Erfurt. Piccolomini, unge-achtet seiner Ueberlegenheit an Streitkräften, wagte es nicht, ihn hier an-zugreifen, sondern stellte sich gleichfalls in einer befestigten Position beidem Städtchen Saalfeld auf. Inzwischen stiessen zu den Schweden diehessischen und lüneburgischen Truppen; Frankreich, das stets bemühtwar, das Gleichgewicht zwischen beiden kriegführenden Parteien zu er-halten, sandte den Schweden die vormals weimarische Armee unter demCommando des Marschalls Guebriant zu Hülfe. Die bairischen Truppenaber trennten sich von Piccolomini, der, allein geblieben, aus Mangel anStreitkräften gezwungen war, sich nach Franken zurückzuziehen.
. Im Frühjahre 1641 rückte Baner mit allen bei Erfurt concentrirtenTruppen nach Regensburg vor, wo grade eine Reichsversammlung abge-halten ward und wo sich auch der Kaiser Ferdinand III. selbst befand.Baner führte diesen Marsch so schnell und geheim aus, dass er fastRegensburg erobert und den Kaiser gefangen genommen hätte. Aberder frühe Eisgang auf der Donau und das Herannahen kaiserlicher Trup-pen retteten sowohl die Stadt als auch den Kaiser, nöthigten Baner zumRückzuge, und zwar Anfangs mit grosser Mühe unter beständigem Kampfemit den ihm nachfolgenden kaiserlichen Truppen, über die Berge nachBöhmen und von dort nach Pommern, wobei die Armee Guebriant's, diehessischen und lüneburgischen Truppen sich von ihm trennten und dieerstere zum Rhein hin, die letzteren nach Westphalen marschirten. Somitendete die Truppenconcentrirung bei Erfurt, die allem Anscheine nachwichtige Resultate nach sich ziehen musste, mit einem Handstreich gegen
Galitzin, Allgem. Kriegsgeschichte. III, 1. 8