HD I. Dreissigjähriger Krieg.
Deutschland befestigt und das politische Gleichgewicht Europas gestörthaben, wenn nicht auf Grund dieser Furcht einige europäische Mächte,an ihrer Spitze Frankreich, thätigen Antheil am Kriege genommen unddie Schweden sowie diejenigen Protestanten, die mit ihnen im Bundewaren, unterstützt hätten. Auf die Lage Deutschlands seine glänzendenAussichten für Frankreich gründend, d. h. durch Annexion des Elsass, derFranche-Comte, Roussülon's, durch die Vertreibung der Spanier aus denNiederlanden und Norditalien, durch die Unterwerfung der Festungen amEhein und die Erweiterung der Grenzen Frankreichs bis zum Rhein undzu den Pyrenäen diesem Reiche den politischen Vorrang in Europa zu ver-schaffen, — versprach der Cardinal Richelieu den Schweden und deut-schen Protestanten die Hülfe Frankreichs, bewog Schweden, den Krieg mitdem Kaiser inDeutschlandfortzusetzen, und überredete, um die Streitkräftedes Kaisers zu theilen, den König Ludwig XIII., den Spaniern den Kriegzu erklären und sich an dem savoyischen Erbfolgekrieg zu betheiligen.Durch seine Bemühungen vereinigten sich die Niederlande mit Frank-reich, und zwischen Schweden und Polen wurde ein neuer Waffenstill-stand auf 26 Jahre abgeschlossen.
Durch Frankreichs Theilnahme am Krieg wurde der Zweck und derGeist desselben gänzlich verändert und der Kriegschauplatz beträchtlich er-weitert. Der Krieg, im Anfange ein religiös-politischer, wurde ein rein po-litischer mit dem offenbaren Ziele, in Europa das politische Gleichgewichtzu erhalten, aber mit dem geheimen Ziele Frankreichs, das politische Ueber-gewicht in Europa zu erlangen. Der frühere Krieg der deutschen Protestan-ten mit dem Kaiser und den Katholiken verwandelte sich jetzt in einen all-gemeinen europäischen Krieg um die Obergewalt des Kaisers oder Frank-reichs in Europa. Frankreich kämpfte mit dem Kaiser in Deutschland undam Rhein, indem es die Schweden und deutschen Protestanten unterstützte;in den Niederlanden aber, in Norditalien, an den Pyrenäen und auf demMeere, im Bunde mit den Niederländischen General-Staaten, Savoyen, Par-ma und Mantua, kämpfte es ausserdem gegen Spanien, indem es die im Auf-stande begriffenen Portugiesen und Catalonier unterstützte. Späterhin be-theiligten sich an diesem Kriege Dänemark, die Schweiz und Siebenbürgen.
I.Der Krieg Frankreichs mit Spanien (1635—1659).
§.53.
Kurze TJebersielit des allgemeinen Ganges, Charakters und der
Resultate dieses Krieges.
Vom "ersten Jahre des Krieges (1635) an begann Frankreich seineKriegsoperationen zu gleicher Zeit in den Niederlanden, in Norditalien