106 I- Dreissigjähriger Krieg.
durchdachten Planes führte, den er mit Festigkeit und Beständigkeitdurchsetzte, und in welchem die Wechselfälle des Krieges nur eine Ab-änderung der Einzelheiten und des Charakters der Operationen bewirk-ten, der Hauptzweck, die Hauptgrundlagen aber unverändert blieben. Sohatte jede seiner Kriegsoperationen ihren mehr oder minder wichtigenZweck, dessen Erreichung zur Erlangung des Hauptzweckes des Kriegesbeitrug. Unter allen seinen Kriegsoperationen bestand eine bestimmteReihenfolge und ein bestimmter Zusammenhang, und alle zusammen-genommen bildeten ein harmonisches Ganze, in welchem die Harmonieund Einheit durch nichts gestört wurden. Mit der Regelrechtigkeit derOperationen waren eng verbunden eine ordnungsmässige Besetzung desLandes, Ausnutzung der Mittel desselben und Verpflegung des Heeres,hauptsächlich aus Magazinen.
Die Vorsichtigkeit der Operationen Gustav Adolph's bestand darin,dass er nicht weiter vorrückte, ehe er sich völlig im Lande festgesetztund seine Communicationen durch Einnahme von Festungen, befestigtenStädten und der wichtigsten Punkte sichergestellt hatte, desgleichendurch den Lauf der Flüsse, die er auf seinen Communicationen ver-mittelst befestigter Lager oder einzelner Schanzen, sowie vermittelstBrückenköpfe an den Leb ergangstellen sicherte, ferner durch kluge Ver-keilung von Truppendetachements zur Vertheidigung seiner Communi-cationen, endlich durch Heranmarsch mit der Hauptmacht für den Fall,dass der Feind dieselben durch mehr oder weniger energische Opera-tionen bedrohte (wie bei Nürnberg und Lützen). Dabei verstand er es,seine Kräfte so zu vertheilen,. dass er beim Weitevvorrücken nicht ge-'schwächt, sondern bedeutend verstärkt wurde, und dass er seine Haupt-operationen mit der Hauptmacht der schwedischen Armee ausführenkonnte, indem er die Operationen an den Flanken und den Schutz seinerCommunicationen einem Theile der schwedischen, durch Bundesgenossenverstärkten Truppen übertrug. Wenn die Umstände es erforderten, theilte«r seine Streitkräfte so, dass ein jeder Theil derselben gegen den über-legenen Feind defensiv operirte, dem Kampfe auswich, sich aber immermit den übrigen Theilen in Verbindung befand und im äussersten Fallesich auf dieselben zurückziehen, gegen den schwächern Feind jedochstets angriffsweise auftreten und ihn zum Kampfe herausfordern konnte.
Schliesslich bestand die Entschiedenheit der Operationen GustavAdolph's darin, dass, wenn es die Umstände erlaubten oder forderten, erungemein schnell, hauptsächlich mit möglichst grossen und vereintenStreitkräften entweder geradezu auf den Feind losging, mit der feindlichenArmee einen entscheidenden Kampf begann; um derselben eine möglichstentscheidende Niederlage beizubringen (Schlachten bei Breitenfeld undLützen, Uebergang über die Donau und den Lech), oder sich nach dem