5. Zweite Periode des dreissigjährigen Krieges (1630—1634). 107
für ihn wichtigsten Lande wendete, mit der Absicht dasselbe einzuneh-men, sich dort festzusetzen, die Mittel des Landes auszunutzen, seinenWirkungskreis zu vergrössern, den Aufstand in demselben und die Be-waffnung seiner Verbündeten zu erleichtern, sich durch Truppen undBündnisse zu verstärken und in demselben Maasse seinen Gegner zuschwächen.
Was die ausgezeichneten Combinationen Gustav Adolph's, auf dieim Allgemeinen der Kriegsplan und die einzelnen Pläne im Besondern be-gründet waren, betrifft: die Landung auf den Inseln in den Mündungender Oder, seine anfänglichen Operationen in Pommern und Mecklenburg,später in Brandenburg, die weiteren Operationen nach der Schlacht beiBreitenfeld, sein Marsch nach dem südwestlichen Deutschland, seineFestsetzung am Main und Bhein, seine Bewegung nach Baiern, von dortnach Nürnberg und dann nach Sachsen, so ist deren hohe Bedeutunghinsichtlich der Kriegskunst genügend bei der Beschreibung des Gangesder Kriegsoperationen erörtert.
Somit ist das Geheimniss der wichtigen, weittragenden, glänzen-den und, solange er lebte, so sichern Erfolge Gustav Adolph's in der aus-gezeichneten Ausführung seiner geschickten Combinationen enthalten,d. h. in der klugen Vereinigung von Begelmässigkeit, Vorsicht undEntschlossenheit und, den Umständen entsprechend, in der Verdoppelungdieser oder jener von beiden letzteren. Der Urgrund seiner geschicktenCombinationen und der ausgezeichneten Ausführung derselben und allesdessen, was in seinen Handlungen erstaunenswerth ist, liegt aber in seinenhohen persönlichen Eigenschaften und Geistesgaben. Eben so gross alsMensch wie als Herrscher und Feldherr, vereinigte er in sich die Kunsteines Politikers und Feldherrn, alle bürgerliche und militärische Stand-haftigkeit. Stark durch die Liebe und das Zutrauen des schwedischenVolkes und Heeres, durch die Reinheit und Rechtlichkeit des hohenZieles, das er sich gesteckt, strebte er nach ihm offen und edel, be-ständig und fest, klug und vorsichtig, entschieden und geschickt. Seinklarer und gesunder Verstand, sein fester Wille, seine grosse edle Seele,sein energischer und zugleich vorsichtiger Charakter spiegelten sich inder Art seiner Kriegführung im Allgemeinen und in den Kriegsopera-tionen im Besonderen ab. Und die unparteiische Nachwelt hat ihn des-wegen mit Alexander dem Grossen, mit Hannibal und Julius Cäsar unterdie Zahl der grössten Feldherren aller Zeiten und Völker gestellt. Ziehtman aber noch den Einfluss in Betracht, den er auch nach seinem Todeauf die Art und Weise der Kriegführung in Europa ausgeübt (wie aus derBetrachtung der Kriege kommender Zeiten deutlich werden wird), so ister sogar noch höher zu stellen. In der Art seiner Kriegführung zeigtesich, durch die Macht der Umstände und seines Genius hervorgerufen, die