5. Zweite Periode des dreissigjährigen Krieges (1630—1634). 103
Nach der Schlacht bei Nördlingen bekam der Krieg eine ganz an-dere Wendung und einen durchaus veränderten Charakter.
§.51.
Allgemeine Schlussfolgerung über die Art und Kunst des Krieg-
führens in der zweiten Periode des dreissigjährigen Krieges und
Gustav Adolph's insbesondere.
In der zweiten Periode des dreissigjährigen Krieges lenken die aus-gezeichneten Operationen Gustav Adolph's ausschliesslich die Aufmerk-samkeit auf sich. Ermüdet durch das Bild einer unregelmässigen, un-ordentlichen Art Kriegführung in Europa im Laufe vieler Jahrhunderte,vergebens nach Spuren der Kunst, mit welcher Alexander der Grosse,Hannibal und Julius Cäsar Krieg führten, suchend, findet der Forscherder Kriegsgeschichte zu seiner Verwunderung endlich in den OperationenGustav Adolph's in-Deutschland eine gänzlich neue, von der frühemArt der Kriegführung abweichende Kriegskunst, die in ihren Grundprin-cipien eine auffallende Aehnlichkeit mit der Art der Kriegführung dergrossen Feldherren des Alterthums bietet. Solch hohe Bedeutung derOperationen Gustav Adolph's regt zur Erforschung an, was für eine ArtKriegführung eigentlich von ihm geschaffen worden und worin nament-lich seine Kunst bestand.
Die Operationen Gustav Adolph's in Deutschland, die im Allge-meinen in ihren Grundzügen einander ähnlich sind, haben in ihren dreiHauptperioden einen verschiedenen Charakter: in der ersten seit GustavAdolph's Erscheinen in Deutschland bis zu seinem Uebergange über dieElbe und seinen Marsch nach Leipzig, in der zweiten vom Uebergangeüber die Elbe bis zum Anfange der Operationen bei Nürnberg und inder dritten vom Beginne der Operationen bei Nürnberg bis zum TodeGustav Adolph's.
Besonders bemerkenswerth sind seine Operationen nach seinem Er-scheinen in Deutschland bis zum Uebergang über die Elbe. Mehr als einJahr (14 Monate) brauchte Gustav Adolph, um sich in Pommern, Mecklen-burg und Brandenburg vollständig festzusetzen. Und ungeachtet derihm ungünstigen Umstände — seiner anfänglich nur schwachen Heeres-macht, der Ueberlegenheit des Kaisers an Streitkräften und der geringenihm ton den deutschen Protestanten geleisteten Hülfe, verstand er es,seinen Zweck vollständig zu erreichen, und legte einen festen Grund zuseinen weiteren Operationen und Erfolgen. Diesen Zweck erreichte er1} allmälig, langsam, Schritt vor Schritt, indem er sich im Lande durchEinnahme von Festungen, befestigten Städten und der wichtigstenPunkte gänzlich festsetzte und Vorräthe an Lebensmitteln in denselbenaufspeicherte; 2) indem er sich von allen Seiten sicherstellte, besonders