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Abth. 3, Die Neuzeit Bd. 1 (1874) Kriege der I. Hälfte des XVII. Jahrhunderts, der Dreissigjährige Krieg : 1618 - 1648
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102 ! DreissigjUhriger Krieg.

abtheilung auf den Nördlinger Weg, um eine Communication mit derBesatzung Nördlingens herzustellen, d. h. anstatt im allerkritischstenAugenblicke mit concentrirten Kräften energisch und entscheidend zuoperiren, zerstückelte er seine Heereskräfte und schwächte sich, wasnatürlicher Weise den Verlust der Schlacht nach sich zog. Die von ihmabgesandteHeeresabtheilung wurde berniDorfeTellingen von den Kaiser-lichen angegriffen und zerstreut. Die Letztern gingen von diesem Augen-blicke an zur Offensive über. Hörn, der schliesslich seine Truppen wiedergesammelt hatte, rückte jetzt von Neuem vor, aber die Spanier hattenschon die von den Schweden verlassenen Stellungen eingenommen undbehaupteten dieselben trotz aller Anstrengungen der Schweden, sie wie-derzunehmen. Die vom Herzog Bernhard an Hörn gesandte Verstärkungendlich verirrte sich vom Wege und operirte auf eigene Hand, den Opera-tionen der übrigen Truppen nicht entsprechend. Mit einem Worte, in derverbündeten Armee war allgemeine Unordnung entstanden. Auf feind-licher Seite spie die Reichsartillerie solch tödtliches Feuer, dass Hörn nachsechsstündigem heftigen Kampfe gezwungen war, ohne Erfolg mit grossemVerluste unter Deckung der Reiterei sich zum Fusse eines Hügels, woer sich zu halten vermochte, zurückzuziehen. Unterdessen machte aufdem linken Flügel die durch das heftige Feuer der Reichsbatterie von50 Geschützen nach langem und tapferem Widerstände gänzlich zerrütteteschwedische Reiterei nebst ihrer Infanterie und Artillerie Kehrt und liefüber die Berge auf der Ulmer Landstrasse davon. Ihrem Beispielefolgte auch Horn's Reiterei und nahm Reissaus. Nur die schwedischeInfanterie des rechten Flügels, die vor Oirnheim aufgestellt war, be-hauptete sich auf dem Schlachtfelde, aber vom Feinde umzingelt, wurdesie völlig aufgerieben. Auf diese Weise erlitt die Armee des HerzogsBernhard in Folge seiner unklugen und unvorsichtigen Heftigkeit, seinerungeschickten, ohne Zusammenhang getroffenen Anordnungen eine voll-ständige, gänzliche Niederlage. Die Infanterie der Armee wurde theilszu Gefangenen gemacht, theils vernichtet; mehr als 12,000 Mann warengefallen, 8000 Mann in Gefangenschaft gerathen; 170 Fahnen, 80 Ge-schütze und der ganze Train fielen in die Hände der Sieger; unter derZahl der Gefangenen befanden sich der Feldmarschall Hörn und dreiGenerale. Die Kaiserlichen verloren nicht mehr als 1200 Mann. Nörd-lingen ergab sich ihnen den Tag darauf [7. September) , der HerzogBernhard aber zog sich mit dem Reste seiner Armee hinter den Rheinnach dem Elsass zurück. Daraufwandten sich der Herzog von LothringenundvonWerth gegen den Rheingrafen und schlugen ihn ebenfalls (28. Sep-tember) in der Nähe von Strassburg; die kaiserliche Hauptarmee besetzteWürtemberg und Baden, die spanischen Truppen trennten sich von der-selben und marschirten nach den Niederlanden.