5. Zweite Periode des dreissigjährigen Krieges (1630—1634). 99
und bald, den Bitten des Kaisers nachgebend, wandte er sich nachBöhmen, um von dort aus nach Baiern zu marschiren und den HerzogBernhard von Sachsen-Weimar zum Rückzug aus Oberösterreich zuzwingen. In der That nöthigte sein Marsch durch das nördliche Böhmennach den Grenzen der oberen' Pfalz den Herzog Bernhard, aus Ober-österreich sich zurückzuziehen. Da indess der Winter hereingebrochenwar, so legte Wallenstein seine Truppen in Quartiere im Grenzgebieteder obem Pfalz, wahrscheinlich in der Absicht mit Anbruch des Früh-jahrs sich nach Baiern oder Sachsen zu wenden. Aber verdächtigt alsStaatsverräther, wozu sowohl die Unentschlossenheit seiner Operationenals auch seine Unterhandlungen mit den Protestanten, ja sogar heimlicheVerbindungen mit Frankreich und Schweden Veranlassung gaben, fieler als Opfer der Bosheit und Ränke seiner Feinde und der im Kaiserdurch seinen Ehrgeiz erregten Befürchtungen am 25. Februar 1634 inder Festung Eger.
§. 50.Operationen in Baiern und Pranken im Jahre 1634. Schlacht bei
Nördlingen.
Mit Beginn des Frühjahrs 1634 marschirte der Herzog Bernhardvon Sachsen-Weimar aufs Neue nach Oberösterreich. Die kaiserlicheArmee stand aber jetzt zu völliger Verfügung des Kaisers, das Com-mando über dieselbe wurde dem Erzherzog Ferdinand (dem SohneFerdinand's H., dem spätem Kaiser Ferdinand III.) anvertraut und ihmGallas untergeordnet. Diese Armee, 14,000 Mann stark, marschirte ohneVerzug nach Regensburg, verband sich unter den Mauern desselben mitden unter dem Oberbefehl des Herzogs von Lothringen stehenden bairi-schen und lothringischen Truppen und belagerte Regensburg, 20,000Mann stark. Diese Stadt capitulirte bald (26. Juli) und die verbündeteArmee marschirte das linke Donauufer aufwärts. Der Herzog Bernhardzog sich au/ der rechten Seite der Donau eiligst nach Augsburg zurück,vereinigte sich in der Nähe dieser Stadt mit den 12,000 Mann TruppenHorn's und stellte sich bei Lauingen auf, nachdem er Hörn zwischen demLech und der Hier, den Rheingrafen mit 12,000 Mann Truppen in derNähe von Ulm zur Unterstützung Horn's oder seiner selbst, je nach Um-ständen, gelassen hatte. Diese Truppenvertheilung unternahm er inFolge verbreiteter Gerüchte, dass 15—20,000 Mann spanische Truppenaus Tirol heranmarscliirten, die kaiserliche Hauptarmee aber nach Böh-men gehe. Diese Gerüchte waren aber falsch : Arnheim und Baner, diein Böhmen eingerückt waren, wurden bei Prag (28. Juni) angegriffenund gezwungen sich nach Sachsen zurückzuziehen; der ErzherzogFerdinand aber, der sich nach Donauwörth gewandt hatte, nahm das-