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Abth. 3, Die Neuzeit Bd. 1 (1874) Kriege der I. Hälfte des XVII. Jahrhunderts, der Dreissigjährige Krieg : 1618 - 1648
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94 I- Dreissigjähriger Krieg.

den Flügeln. Nach Ueberschreitung des Flossgrabens stellte sich dieschwedische Armee in einer Entfernung von ca. einer Werst von Wallen-stein's Armee und dieser parallel auf. Vor den Flügeln der Infanteriewaren zu einer Batterie 26 Geschütze grossen Kalibers und ausserdemfünf leichte Kanonen vor jeder Brigade aufgestellt. Nach kurzem aberstarkem Artilleriefeuer führte Gustav Adolph selbst den rechten schwe-dischen Flügel zum Angriff gegen den im Graben postirten Feind, ver-trieb ihn von dort, ging über die Landstrasse und griff mit Erfolg denlinken Flügel der kaiserlichen Infanterie an, während die schwedischeReiterei des rechten Flügels die kaiserlichen Reiter vom linken Flügelwarf. Unterdessen hatte das Fussvolk des schwedischen Centrums dieBatterie vor dem feindlichen Centrum genommen, wurde aber kurz dar-auf in der Flanke angegriffen und zum Weicben gebracht. Sobald diesder König erfuhr, stellte er sich an die Spitze des smäländischen Reiter-regiments , um seiner bedrängten Infanterie zu Hülfe zu eilen. Aberseinen Reitern weit voraus, gerieth er im Nebel zu nahe an die feindlichenMusketiere und Kürassiere und wurde von diesen zuerst am linken Arm undim Rücken schwer verwundet und schliesslich durch einen Schuss in denKopf getödtet. Die Kunde von seinem Tode brachte tiefe Trauer undRachedurst unter den schwedischen Truppen hervor. Den Befehl über dieArmee übernahm der Herzog Bernhard von Sachsen-Weimar, der unter-dessen mit dem linken schwedischen Flügel die Gärten von Lützen, denDamm und die Batterie des rechten feindlichen Flügels angegriffen hatte.Nach Uebernahme des Oberbefehls führte er von Neuem mit dem linkenschwedischenFlügel einen Angriff gegen den rechten feindlichen Flügel aus,während die Truppen des schwedischen Centrums den Feind in der Frontebeschäftigten und der schwedische rechte Flügel den linken feindlichenFlügel angriff. Dieser Angriff entschied den Kampf; beide feindlichenFlügel wurden geworfen und waren gezwungen sich zurückzuziehen. Inderselben Zeit explodirten hinter der kaiserlichen Armee einige Pulver-kasten. Die Unordnung in der kaiserlichen Armee wurde dadurch nochgrösser, und der Sieg neigte sich schon auf die Seite der Schweden,als plötzlich Pappenheim mit 8 Reiterregimentern aus Halle ankam, dieSchlacht wieder herstellte und den rechten schwedischen Flügel zurück-drängte. Aber dem linken schwedischen Flügel gelang es sich zu halten,und das Endresultat des von Neuem entbrannten hartnäckigen Kampfes,der vereinten Anstrengungen der Schweden, der Unordnung und Ver-wirrung in der kaiserlichen Armee, besonders nachdem Pappenheimverwundet worden und gänzliche Dunkelheit eingetreten, war ein ent-schiedener Sieg der Schweden und eine völlige Niederlage der kaiser-lichen Armee. Nachdem die letztere die ganze Artillerie, eine grosseAnzahl Fahnen und Standarten und 1012,000 Mann an Gefallenen,