4. Zweite Periode des dreissigjährigen Krieges (1630—1634). 93
Wallenstein ihrer Vereinigung zuvorkommen und sie einzeln schlagen,mit der nächsten und gefährlichsten schwedischen beginnend. Solcheine Handlungsweise stimmte aber nicht im Geringsten mit der Unent-schlossenheit Wallenstein's überein, die, wie es schien, in dem Maassewuchs, in welchem die Achtung des Letztern vor den militärischen Fähig-keiten und der Kunst Gustav Adolph's, ja sogar die Furcht und derWunsch, einem entscheidenden Kampfe mit dem schwedischen Königeauszuweichen, stieg. Die Entschlossenheit und Energie des Letztern hin-gegen, wie es schien, wuchs mit seinem Vorrücken. Die Schnelligkeit, mitder er aus Baiern herangerückt war, ermöglichte es, der UnterwerfungSachsens durch Wallenstein, der Festsetzung des Letztern dort und sogarder Besetzung der Uebergänge über die Saale, zuvorzukommen. Festentschlossen, mit Wallenstein einen entscheidenden Kampf aufzunehmen,wollte Gustav Adolph über Pegau nach Grimma gehen, um sich mit dersächsischen Armee zu vereinigen; als er aber von dem Rückmarsch Wallen-stein's nach Merseburg erfahren, folgte er (am 5. November) ihm nach.Davon benachrichtigt, beschloss Wallenstein, der schwedischen Armeeden Weg nach Leipzig zu verlegen und die Verbindung derselben mit dersächsischen Armee zu verhindern, und befahl Pappenheim, ohne Verzugzu ihm zu stossen. In Folge dessen concentrirten sich (5. November)seine Hauptstreitkräfte bei dem Städtchen Lützen, vor sich beim Eng-pass von Bippach die Heeresabtheilung des Generals Isolani. Da nunaber gär keine Anordnungen getroffen waren, die Schweden bei demEngpasse von Bippach aufzuhalten, noch die Heeresabtheilung Isolani'szu unterstützen, so war der Letztere gezwungen, den überlegenen Streit-kräften der Schweden den Engpass zu überlassen. Obwohl die schwe-dische Armee viel schwächer war als die Wallenstein's und obgleich dieschwedischen Generale riethen, sich zuerst mit den Sachsen zu ver-einigen, beschloss Gustav Adolph, Tags darauf Wallenstein auf das Ent-schiedenste anzugreifen. Mit Tagesanbruch des 6. November rückte dieschwedische Armee nach Lützen vor; Wallenstein stellte seine Armee mitdem rechten Flügel hinter Lützen und mit dem linken nach dem Floss-graben auf; vor der Fronte befand sich ein hoher Damm mit Gräben zubeiden Seiten, über welchen die Strasse von Lützen nach Leipzig führte.Der äussere Strassengraben war bedeutend vertieft und von Musketierenstark besetzt. Nicht weit von dem Damme vor dem rechten Flügel unddem Centrum der Armee waren zwei Batterien von sieben und vierzehnKanonen aufgestellt; der grösste Theil der Infanterie befand sich imCentrum der Schlachtordnung und war in vier grosse Bataillen vertheilt,von welchen eine in der ersten, zwei in der zweiten und eine in derdritten Linie sich befanden; ein Theil der Infanterie hatte die Wind-mühlen und die Gärten vor Lützen besetzt; die Beiterei befand sich an