Druckschrift 
Abth. 3, Die Neuzeit Bd. 1 (1874) Kriege der I. Hälfte des XVII. Jahrhunderts, der Dreissigjährige Krieg : 1618 - 1648
Entstehung
Seite
92
Einzelbild herunterladen
 

92 I- Dreissigjähriger Krieg.

Thüringer Wald, rastete fünf Tage bei Arnstadt und setzte sich den 26.Octoher in Bewegung nach Erfurt.

Nachdem Wallenstein in Eilenburg über den Marsch Gustav Adolph'snach Sachsen und von seinem Eintreffen in Erfurt Kunde erhalten hatte,kehrte er sofort nach Leipzig zurück, vereinigte sich mit den 9000 MannTruppen Pappenheim's > nahm am 29. October Stellung bei Weissen-fels, nachdem er Detachements nach Naumburg zur Besetzung des Kösen'-schen Engpasses und des Ueberganges über die Saale, entsandt hatte. Eswar aber schon zu spät: Gustav Adolph hatte ani 29. October den Kösen'-schen Pass und Naumburg besetzt, war über die Saale gegangen undhatte dann auf der andern Seite des Flusses in der Nähe von Naumburgein befestigtes Lager bezogen. Wallenstein war unentschieden, was erbeginnen sollte. Der von ihm zusammenberufene Kriegsrath erklärte,dass es gefährlich sei, Gustav Adolph in seinem Lager anzugreifen, dassdie vorgerückte Jahreszeit die Unterbringung der Truppen in Quartierenfordere, was auch die Schweden zwingen werde, dasselbe zu thun, dasses jedoch nöthig sei, einen Theil der Truppen nach Westphalen und anden Rhein abzusenden, um dort die Erfolge der Protestanten aufzuhalten,und dass man die Truppen in Sachsen des schnelleren Sammeins im Noth-falle wegen in enge Quartiere legen müsse. Somit hatte der Kriegsrathanstatt einer Concentrirung und entscheidender Operationen oder einesRückmarsches, was unter den damaligen Umständen allein räthlich undvon Nutzen gewesen wäre, gerathen, sich zu theilen. Quartiere zu be-ziehen und in Unthätigkeit zu warten, dass die Schweden dasselbe thunwürden. Die UnentschlossenheitWallenstein's war der Grund, dass er aufdiese durch Nichts zu rechtfertigende Meinung einging. Pappenheim mit89000 Mann (nach Andern mit 12,000 Mann) wurde nach Halle beor-dert, um diese Stadt zu besetzen und vielleicht auch um weiter nach Kölnvorzurücken und dasselbe zu befreien. Wallenstein selbst aber, nachdemer eine Besatzung im Schloss Weissenfeis zurückgelassen und Detache-ments nach Altenburg und Zwickau zur Beobachtung der Schwedenentsandt hatte, unternahm (am 4. November) mit seiner ca. 40,000 Mannstarken Hauptmacht einen Rückmarsch nach Merseburg, um zwischender Saale und dem Flossgraben enge Quartiere zu beziehen. Zu derZeit befanden sich Wallenstein's 40,000 Mann Truppen zwischen derschwedischen Armee (27,000 Mann), die bei Naumburg stand, dersächsischen bei Torgau stehenden (18,000 Mann) und den Truppen desniedersächsischen Kreises und den braunschweig-lüneburgischen (gegen10,000 Mann), die auf der linken Seite der Elbe nach Sachsen marschir-ten, im Ganzen zwischen 5055,000 Mann Truppen. Gegen diesedrei verbündeten Armeen war Wallenstein's Armee bedeutend schwächer;aber gegen jede Armee einzeln unvergleichbar stärker. Und daher musste