Druckschrift 
Abth. 3, Die Neuzeit Bd. 1 (1874) Kriege der I. Hälfte des XVII. Jahrhunderts, der Dreissigjährige Krieg : 1618 - 1648
Entstehung
Seite
90
Einzelbild herunterladen
 

90 ! Dreissigjähriger Krieg.

stein's vorbei und unter den Mauern Nürnbergs nacb Norden, Bambergund zum Main. Man muss annehmen, dass beide Seiten einen längernAufenthalt bei Nürnberg als nachtheilig, ohne jeglichen Nutzen erachte-ten , und dass Wallenstein, bedeutend geschwächt, noch weniger alsfrüher die Möglichkeit und den Wunsch hatte, gegen Gustav Adolphenergisch aufzutreten, und dass Letzterer in der festen Ueberzeugungvon dem baldigen Abmarsch Wallenstein's sich nicht nach Baiern, sondernzum Main zurückzog, um seine Communicationen mit Sachsen, Thüringenund dem Rhein zu sichern. Der wirkliche Zweck beider Heerführer aberbleibt, wie so Vieles in diesem Kriege, nicht ganz aufgeklärt.

§.45.Gleichzeitige Operationen in den andern Theilen Deutschlands.

Während der Operationen bei Nürnberg wurde der Krieg noch vielthätiger in den andern Theilen Deutschlands fortgesetzt. Hörn unterwarfdefinitiv den Elsass und vertrieb alle spanischen Truppentheile aus deruntern Pfalz. Die Abwesenheit Pappenheim's, der mit 12,000 MannTruppen aus Westphalen über Hessen-Kassel nach Sachsen ausgerücktwar, benutzten die schwedischen Truppen und marschirten unter dem Be-fehl des Generals Baudissen in das Herzogthum Berg und KurfürsteuthumKöln, eroberten fast alle Städte bis auf Köln und zwangen aufs Neueden Kurfürsten von Köln zur Neutralität. Die wichtigsten Operationenaber wurden in Schlesien und Böhmen ausgeführt. Indem der Kaiser dieUnzulänglichkeit der Massregeln der Milde uud Unterhandlungen mit demKurfürsten von Sachsen einsah, ergriff er von Neuem gegen ihn strengeund energische Massregeln. In der ersten Hälfte des Juni rückten 6000Mann kaiserlicher Truppen aus Schlesien in die Lausitz ein, das Landwährend des Marsches verheerend. Arnheim ging ihnen mit der beiDresden versammelten sächsischen Armee entgegen. Die kaiserlichenTruppen zogen sich vor ihm zur Oder und von da weiter bis zu denGrenzen Ungarns zurück. Die Sachsen eroberten ganz Schlesien; aberwährend sie, von ihren Erfolgen hingerissen, sich von Sachsen entfernten,rückten 6000 Mann kaiserlicher Truppen unter Holke's Führung undgleich nach ihnen andere 10,000 Mann unter Gallas in Böhmen undSachsen ein, vereinigten sich bald mit Pappenheim und besetzten, gegen30,000 Mann stark, ganz Sachsen auf der linken Seite der Elbe. Dieszwang die sächsische Armee nach Sachsen zurückzueilen. Somit war zuder Zeit, als Wallenstein in Unthätigkeit und Unentschlossenheit beiBamberg weilte, Sachsen schon von kaiserlichen Truppen besetzt.