4. Zweite Periode des dreissigjährigen Krieges {1630—1634)., 89
§.44.Rückzug von Nürnberg: Gustav Adolph's in der Richtung nach"Würzburg hin, Wallenstein's aber nach Bamberg. Gustav Adolph's
Marsch nach Baiern.
Am 8. September zog sich Gustav Adolph, indem er in Nürnberg5000 Mann Truppen unter Kniphausen's Befehl zurückliess, mit seinerganzen Armee an Wallenstein's Lager unbehindert vorbei in der Richtungnach Würzburg hin zurück und stellte sich zuerst bei Neustadt auiFlüss-chen Aisch, später bei Windsheim auf. wo sich die Stärke seiner Truppenim Ganzen auf 24,000 Mann herausstellte. Nun marschirte auch Wallen-stein , nachdem er sein Lager und die umliegenden Ortschaften einge-äschert und eine grosse Menge Bagage, Kranke und Verwundete zurück-gelassen hatte, den 13. September fast unter den Mauern von Nürnbergvorbei nach Forchheim. Die Besatzung Nürnbergs griff die ArrieregardeWallenstein's an und fügte derselben grosse Verluste zu. In Forchheimstellten sich die* Streitkräfte Wallenstein's auch nur auf 24,000 Mannheraus. Als Wallenstein Bamberg eingenommen hatte, entsandte erDetachements zur Einnahme der wichtigsten in der Nähe gelegenenStädte und Gallas mit einer Heeresabtheilung nach Böhmen.
Nachdem sich Gustav Adolph von dem Abmärsche Wallenstein's vonNürnberg überzeugt hatte, Hess er den Herzog Bernhard von Sachsen-Weimar mit einer starken Heeresabtheilung zur Beobachtung Wallen-stein's zurück und marschirte selbst mit der Hauptmacht über Dinkels-bühl und Donauwörth zu der von den Baiern belagerten Stadt Rain. Dortangekommen, fand er, dass der schwedische Commandant diese Stadtden Baiern bereits übergeben hatte; er griff sogleich die Stadt an, nahmsie den Baiern wieder ab und stellte dadurch die Communication zwischenBaiern, Schwaben und dem Main wieder her und belagerte Ingolstadt.
Wallenstein griff weder den Herzog von Sachsen-Weimar noch Nürn-berg an, folgte auch nicht Gustav Adolph nach Baiern, sondern blieb beiBamberg, brachte seine Truppen in ausgedehnte Quartiere unter, erhobContributionen und sammelte Proviant. Der Kurfürst von Baiern abertrennte sich von ihm mit seinen 7—8000 Mann starken Truppen, mar-schirte nach Regensburg, um Baiern zu decken, und wurde dort nachseiner Ankunft durch 6000 Mann von den Spaniern in Italien angewor-bene Truppen verstärkt. Nach dem Abmärsche des Generals Gallas unddes Kurfürsten von Baiern verblieben Wallenstein nicht mehr als16,000 Mann Truppen.
Schwer ist die Ursache der Handlungsweise beider gegnerischerSeiten nach dem Rückzüge von Nürnberg genügend nachzuweisen, beson-ders aber der unbehinderte Abmarsch beider Armeen beim Lager Wallen-