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Abth. 3, Die Neuzeit Bd. 1 (1874) Kriege der I. Hälfte des XVII. Jahrhunderts, der Dreissigjährige Krieg : 1618 - 1648
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88 I- Dreissigjähriger Krieg.

grossen Transports mit Lebensmitteln ihrerseits, verursachten schliess-lich in der Wallenstein'schen Armee eine noch grössere Hungersnoth,Seuche und Sterblichkeit als in der schwedischen Armee. Da GustavAdolph inzwischen durch die Vereinigung mit Oxenstjerna fast gleicheStreitkräfte mit Wallenstein erlangt hatte und da er einsah, dass seineArmee bald mehr und mehr an Lebensmitteln Mangel leiden würde,entschloss er sich, Wallenstein eine Schlacht anzubieten, ihn zu schlagenoder wenigstens zum Rückzuge zu zwinge'n, besonders um durch Un-thätigkeit in seinen Truppen keinen Missmuth zu erwecken. In dieserAbsicht rückte er (am 21. August) aus seinem Lager aus und versuchteWallenstein aus seiner Position herauszulocken. Aber er hatte darinkeinen Erfolg, und begann daher das Lager Wallenstein's stark zu be-schiessen, nahm im Kampfe Fürth und ging über die Eednitz. Wallen-stein beschränkte sich darauf, dass er einen Thcil seiner Armee weiterzurückführte. Gustav Adolph stellte sich nun bei Fürth auf, befestigteseine Position und griff am 24. August das Lager Wallenstein's an. Diesteilen Anhöhen aber, auf denen es sich befand, die nur die Infanterie, unddas mit Mühe, erklimmen konnte, ohne Reiterei und Artillerie, warendie Ursache, dass der hartnäckige und blutige Kampf, der bis tief in dieNacht hinein währte, ungünstig für die Schweden endete. Wallenstein hieltsich in seiner Position, nachdem er 1000 Mann an Todten und eine grosseZahl an Verwundeten und Gefangenen verloren hatte; Gustav Adolphzog sich mit einem Verluste von 2000 Mann an Todten und einer grossenZahl von Verwundeten nach Nürnberg zurück. Dieses UnternehmenGustav Adolph's erscheint unnütz und unnöthig gewagt nur deshalb, weiles keinen Erfolg hatte; erfolglos war es aber daher, weil die örtlichenHindernisse und Schwierigkeiten sich bedeutender herausstellten, alsdies Gustav Adolph vorausgesetzt hatte.

Darnach verblieben beide Armeen noch zwei Wochen in Unthätig-keit, nur mit Führung des kleinen Krieges beschäftigt. In diesen zweiWochen erreichten Hungersnoth, Krankheiten und Sterblichkeit, beson-ders in Wallenstein's Armee, den höchsten Grad. Nach dem Zeugnissedamaliger Historiker belief sich der Verlust jeder Armee während ihres2 1 / 2 monatlichen Aufenthaltes bei Nürnberg auf 20,000 Manu (ein sogrosser Verlust in der schwedischen Armee scheint übertrieben). InNürnberg starben 10,000 Einwohner. Der grösste Theil der Pferde unddes Viehes in beiden Armeen und in Nürnberg kam um, und die ganzeUmgegend Nürnbergs auf weite Strecken hin war gänzlich verwüstet.