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Abth. 3, Die Neuzeit Bd. 1 (1874) Kriege der I. Hälfte des XVII. Jahrhunderts, der Dreissigjährige Krieg : 1618 - 1648
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4. Zweite Periode des dreissigjährigen Krieges (1G301634). 87

Die bemerkenswerthesten von diesen Operationen waren: 1) dermisslungene Angriff Wallenstein's (5. Juli) auf einen Theil des befestigtenschwedischen Lagers, der von den Kundschaftern fälschlich als derschwächste bezeichnet war; dieser Angriff wurde von den Schweden miteinem Verluste von 300 Mann für Wallenstein zurückgeschlagen;und 2)der sehr gelungene Ueberfall der Schweden Tags darauf auf einen grossenfeindlichen, aus mehr als 1000 Wagen bestehenden Transport, die Auf-reibung der Bedeckungsmannschaft, Besitzergreifung des Transports undNiederlage eines von Wallenstein dem Transport entgegengesandten De-tachements zu derselben Zeit durch Gustav Adolph.

Inzwischen blieb die Hauptmacht auf beiden Seiten in Unthätigkeit.Gustav Adolph wartete die Concentrirung seiner Truppen ab, und Wallen-stein hoffte auf den Erfolg seiner Umzingelung der schwedischen Armee.Aber Dank dem einsichtsvollen Scharfsinn Gustav Adolph's waren inNürnberg solche Vorräthe von Lebensmitteln aufgehäuft, dass bis MitteAugust weder die schwedische Armee noch die Einwohner an irgendEtwas Mangel litten. Im Anfange des Augusts traf der ReichskanzlerOxenstjerna mit den von ihm am Ehein und im Elsass angeworbenenTruppen in Kitzingen am Main ein, vereinigte sich dort mit einem Theilder hessischen, pfälzischen, schwedischen und niedersächsischen Trup-pen, in Windsheim aber mit Baner und mit dem Herzoge Bernhard vonSachsen-Weimar, die mit ihren Truppen aus Schwaben und Baiern ge-kommen waren. Dann marschirte Oxenstjerna, der nicht weniger als36,000 und nicht mehr als 40,000 Mann Truppen hatte, nach Nürnberg.Gustav Adolph ging ihm mit einem Theil seiner Armee entgegen undtraf Anordnungen, nicht nur Wallenstein zu widerstehen, sondern auchüber ihn herzufallen für den Fall, dass er Oxenstjerna angreifen sollte.Aus den oben angeführten Gründen aber stellte Wallenstein dem Marscheder Truppen Oxenstjerna's und ihrer Vereinigung mit Gustav Adolph beiHerzogenaurach, nicht die geringsten Hindernisse entgegen. Nach derVereinigung mit Oxenstjerna hatte Gustav Adolph schon gegen 50 000Mann Truppen, im Ganzen aber in Nürnberg und im befestigten Lageran Truppen und Einwohnern 150,000 Mann. Die Concentrirung einerso bedeutenden Menschenanzahl in Nürnberg zu einer Zeit, wo schonwenig Lebensmittel vorhanden waren, während die Umgegend gänzlichausgesogen war, hatte bald Mangel an Lebensmitteln und an Fouragezur Folge, dann Hungersnoth, Krankheit und Sterblichkeit. Die ArmeeWallenstein's aber befand sich in einer noch schlimmeren Lage. Nachdem Eintreffen Fugger's aus Baiern mit 8000 Mann Truppen und nachEntsendung Holke's nach Sachsen mit 6000 Mann hatte Wallenstein nochimmer gegen 60,000 Mann Truppen. Die Erschöpfung der Umgegend, derfür die Schweden mit Erfolg gekrönte kleine Krieg und die Erbeutung des