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Abth. 3, Die Neuzeit Bd. 1 (1874) Kriege der I. Hälfte des XVII. Jahrhunderts, der Dreissigjährige Krieg : 1618 - 1648
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86 I- Dreissigj ähriger Krieg.

zuwirken und ihn zum vorteilhaftesten Frieden für den Kaiser undihn (Wallenstein) zu zwingen, bewies nur, dass er bei allen seinenhohen Geistesgaben Gustav Adolph gar nicht verstand und weder seinegrosse Seele noch seine ganze Willenskraft würdig zu schätzen wusste.Gustav Adolph wünschte den Frieden, aber nicht zum Vortheile fin-den Kaiser oder für Wallenstein, sondern für die deutschen Prote-stanten, für Deutschland, für ganz Europa und, was sehr natürlich, fürSchweden, das so viele Opfer gebracht und sein Blut für die FreiheitDeutschlands vergossen hatte. Aber nie würde Gustav Adolph (wie eres mehrere Male ausgesprochen) in einen für die deutschen Protestanten,Deutschland und Schweden unvortheilhaften Frieden eingewilligt haben;niemand konnte ihn dazu zwingen, und bis aufs Aeusserste getrieben,würde er eher zu den verzweifeltsten Mitteln gegriffen haben als aufdasjenige eingegangen sein, was nach seinem Dafürhalten die Prote-stanten und Deutschland verderben, Schweden schaden und seinen eige-nen Namen mit Schande bedecken musste. Daher war auch Wallen-stein sehr verwundert, als er späterhin seinen begangenen Operations-fehler einsah und äusserte, dass er solche Festigkeit von Gustav Adolphnicht erwartet habe.

Gustav Adolph hingegen verstand Wallenstein sehr gut, er sah inihm einen Ehrgeizigen, aber keinen grossen Feldherrn und hatte keinehohe Meinung von seiner Kriegskunst. Da er dazu noch wusste, wasfür eine Art von Truppen Wallenstein befehligte, sich selbst bewusstwar, dass er sich auf seine Generale und seine ausgezeichneten Truppenverlassen konnte, und gänzliche Freiheit in seinen Operationen nach Ein-gabe seines Genies hatte, brauchte er Wallenstein, und wenn dieser sogarschon auf seinen Communicationen mit einer drei mal stärkern Heeres-macht als die seinige stand, nicht zu fürchten.

Alles dieses erklärt leicht die Operationen bei Nürnberg. Indem ersich Nürnberg von Norden näherte, ging Wallenstein bei Schwabach überden Fluss Rednitz und stellte sich hinter demselben in einer stark be-festigten Position westlich von Nürnberg auf den Hauptstrassen, die nachNürnberg vom untern Main und Mittelrhein führen, mit dem rechtenFlügel zum Städtchen Stein, mit dem linken zum Flüsschen Bibert, auf.Nach Norden, Süden und sogar Osten von Nürnberg wurden aus derWallenstein'schen Armee Detachements entsandt, welche die Weisunghatten, die schwedische Armee von allen Seiten zu umzingeln, zu be-engen, zu beunruhigen und sie zu hindern Nahrungsmittel zu beschaffen.Lange Zeit blieben beide Armeen in dieser Aufstellung, indem sie nureifrig um Nürnberg herum den kleinen Krieg führten, der fast beständigfür die Schweden günstig und für die Wallenstein'schen Truppen un-günstig ausfiel.