4. Zweite Periode des droissigjährigen Krieges (1630—1634). 85
zu verlieren, Baiern, Schwaben, Franken und das Rheinland nicht zuräumen und nicht ihre Mittel und seine Verbündeten in diesen Landenzu opfern. Wallenstein entgegengehen, um mit ihm zu kämpfen, konnteGustav Adolph nicht, weil zu der Zeit die Streitkräfte des Erstem fastdrei mal so stark waren, als die des Letztern.
In Nürnberg angekommen, begann Gustav Adolph ohne Verzug mitHülfe der Bürger um die Stadt einige Reihen getrennter Redouten, die ermit einer grossen Anzahl Geschützen (ca. 300) bewaffnete, aufzuwerfen undaus der Umgegend jeglicher Art Lehensmittel in die Stadt zu bringen;er befahl unterdessen seinen am Main, Rhein und im Elsass befindlichenTruppen sich nach Nürnberg hin zu concentriren und entsandte einenTheil der Reiterei nach Neumarkt auf Recognoscirung. Diese Reitereiwurde aber geschlagen, undWallenstein rückte mit 60,000 Mann kaiser-lich-bairischen Truppen nach Nürnberg vor (30. Juni).
§•43.Operationen bei Nürnberg.
Trotzdem, dass seine Streitkräfte drei mal stärker waren und ersich schon auf den Verbindungswegen Gustav Adolplfs befand, wollteWallenstein gegen ihn doch nicht entscheidend operiren, d. h. sich aufeinen Kampf einlassen, sondern wählte ein anderes, weniger wirksamesund viel mehr Zeit erforderndes Mittel. Er entschied sich, die schwe-dische Armee bei Nürnberg zu umzingeln und sie durch Hunger in dieäusserste Lage zu bringen, durch welche Gustav Adolph endlich ge-zwungen sein würde, auf den für den Kaiser und für ihn (Wallenstein)vortheilhaftesten Friedensschluss einzugehen. So viel bekannt, bewogihn dazu erstens der Umstand, dass er das schwedische Lager sehrstark befestigt fand und nach den Vorurtheilen der Zeit es nicht wagte,dasselbe mit offener Macht, selbst mit überlegener Truppenzahl, an-zugreifen; zweitens, dass er die Mittel zum Unterhalte der schwedischenArmee und der Einwohner bedeutend niedriger anschlug, als sie inWirklichkeit waren; drittens, dass Wallenstein, der früher Schwedenund Gustav Adolph verächtlich angesehen, für den Letztern jetzt eineungemeine Achtung hegte, ihn nicht unter die Zahl der gewöhnlichenMenschen und Feldherren stellte und die Nothwendigkeit erkannte, gegenihn sehr vorsichtig, nichts dem Zufalle überlassend, zu operiren; end-lich viertens möglicherweise auch der Glaube Wallenstein's an die Astro-logie, die ihm prophezeit, dass das Glück Gustav Adolph nur bis zumNovember 1632 begünstigen werde. Wie dem auch sei, Wallenstein,der durch die Umzingelung und durch das Aushungern der schwedischenArmee sich der Hoffnung hingab, auf den Willen Gustav Adolph's ein-