84 I- Dreissigjähriger Krieg.
nirgends und retirirten oder, besser gesagt, liefen überall vor den TruppenWallenstein's davon, zweifelhaft, ob in Folge einer geheimen Politik desKurfürsten oder, wie Andere vermuthen, in Folge von Arnheim's Verrath.Wallenstein eroberte Prag (8. Mai) und zwang die Sachsen, sich gänz-lich nach Sachsen zurückzuziehen. Unterdessen war Gustav Adolph inBaiern eingerückt und der Kurfürst von Baiern. in die äusserste Lageversetzt und aus Furcht seine Besitzungen zu verlieren, wandte sich anden Kaiser mit der Bitte um Hülfe, indem er sich bereit erklärte, Wallen-stein nicht nur zu erlauben in Baiern einzurücken, sondern auch sichselbst und seine Truppen dem Oberbefehle Wallenstein's unterzuordnen,ja sogar zur Vereinigung mit ihm nach Böhmen zu ziehen und seineeigenen Besitzungen ohne Schutz und offen zu lassen. Da Hess Wallen-stein 10,000 Mann unter dem Befehl des Don Balthasar Maradas zurBesetzung und zum Schutz Böhmens zurück und marschirte hat seinerHauptmacht nach Eger und von dort nach Tirschenreut, wohin zu gleicherZeit aus Regensburg über Sulzbach auch der Kurfürst von Baiern mitseinen Truppen ausrückte.
§.42.Wallenstein's und Gustav Adolph's Marsch nach Nürnberg.
Nachdem Gustav Adolph 10,000 Mann Truppen in Baiern gelassen,marschirte er mit 16,000 Mann hinter dem Kurfürsten vonBaiern her undnahm Amberg und Sulzbach ein. Als er aber von dem Marsche Wallen-stein's nach Tirschenreut dem Kurfürsten von Baiern entgegen erfuhr,ihre Verbindung nicht hindern konnte und die Absicht seiner Gegner, aufseine Verbindungen Position zu nehmen und ihn von Sachsen, Nord-deutschland und dem baltischen Meere abzuschneiden, errathen hatte,rückte er ohne Verzug nach Nürnberg vor,,um diese Stadt zu vertheidigenund durch Vertheidigungsoperationen bei derselben seine Verbindungenzu sichern, Wallenstein von Sachsen abzuziehen und, indem er ge-schwächt wurde, Zeit zu gewinnen sich selbst zu verstärken. Nürnbergwar für ihn wichtig als sein Verbündeter, sowie auch dadurch, dass indemselben bedeutende Mittel zum Unterhalt und zur Verstärkung derTruppen vorhanden waren und die Heerstrassen aus Thüringen undSachsen, vom Main, Rhein und von der Donau hier zusammenliefen,wodurch die Verbindungen der schwedischen Armee mit diesen TheilenDeutschlands (abgesehen von den in denselben befindlichen schwedischenund protestantischen Truppen) gesichert waren.
Aus Süddeutschland wollte sich Gustav Adolph deshalb nicht zu-rückziehen , um nicht einen unvorteilhaften moralischen Eindruck aufDeutschland hervorzubringen, die Früchte der erkämpften Erfolge nicht