4. Zweite Periode des dreissigjährigen Krieges (1630—1634). 83
den Bedingungen einzugehen. Er überliess Wallenstein die völlige un-beschränkte militärische Macht über die kaiserlichen und spanischenTruppen in Deutschland und die Civilgewalt in allen dem Feinde ab-genommenen Reichsgebieten, völlig freie Disposition in den Kriegs-operationen und über die confiscirten Ländereien, die Bestimmung derBelohnungen und Strafen; der Kaiser durfte sich nicht persönlich beider Armee befinden und war verpflichtet, dieselbe mit allem Notlügenzum Unterhalt und mit Geld zur Kriegführung zu versorgen; ausserdemmussten alle Besitzungen des Kaisers den Truppen Wallenstein's offenstehen und Letzterer in seine Rechte auf das Herzogthum Mecklenburgwieder eingesetzt und nach Beendigung des Krieges als Belohnung miteinem der kaiserlichen Erblande belehnt werden.
Wallenstein traf sofort Massregeln zur Anwerbung von Truppen inden Niederlanden, Polen, Oesterreich, Schlesien, Mähren, Kroatien,Steiermark, Tirol, Kärnthen und anderen Gegenden. Sein Ruhm, seinReichthum und seine Freigebigkeit lockten in kurzer Zeit unter seineFabnen gegen 40,000 Mann Truppen, die sich in Mähren in der Um-gegend von Znaim sammelten.
Auf diese Weise gaben Richelieu einerseits und Wallenstein ander-seits der Sachlage in Deutschland eine andere Wendung, und das poli-tische Uebergewicht fing von Neuem an, sich zu Gunsten des Kaisersund der Katholiken zu neigen. Es ist ganz natürlich, dass die PolitikFrankreichs, die Unzuverlässigkeit der Kurfürsten von Brandenburg undSachsen, die Befürchtungen selbst der protestantischen BundesgenossenGustav Adolph's, endlich die Ausgleichung Wallenstein's mit dem Kaiserund die Bewaffnung einer starken Armee, alles dieses Gustav Adolphzur Vorsicht, zu seiner Festsetzung in Baiern und Schwaben, an derobern Donau und am Rhein bewog und seine Offensivoperationen zumStillstand brachte.
§.41.Märsche Wallenstein's und des Kurfürsten von Baiern nach Böhmen.
Aus Furcht vor Wallenstein's Rache bat der Kurfürst von Baiernden Kaiser, dass die Armee Wallenstein's nicht in Baiern einrücken solle.Dieser Umstand, sowie auch der Wunsch, Böhmen von den Sachsen zubefreien, den Kurfürsten von Sachsen vom Bunde mit Gustav Adolphloszureissen, ihn dem Kaiser zu gewinnen und dadurch den Rücken unddie Verbindungen Gustav Adolph's zu bedrohen und ihn zur RäumungSuddeutschlands zu zwingen, veranlassten Wallenstein aus Mähren nachBöhmen zu marschiren (im Februar). Ohne der Oertlichkeit des Landesoder der Anhänglichkeit der Bewohner, welche die Defensivoperationenbegünstigten, Rechnung zu tragen, hielten sich die sächsischen Truppen
6*