«82 I. Dreissigj ähriger Krieg.
Belagerung von Ingolstadt auf, Hess dort nur ein Observationscorps zu-rück und marschirte ins Innere von Baiern, um dadurch den Kurfürstendorthin zu ziehen. Moosburg, Landshut, Freising und selbst Münchenwurden von den Schweden ohne Mühe genommen, die dort jeglicher ArtVorräthe und in München ausserdem noch eine grosse Anzahl Geschützeerbeuteten. Die Einwohner der bairischen Städte unterwarfen sich gernden Schweden; aber die LandbevölkerungBaierns, wie auch Schwabens,war den Schweden äusserst feindselig gesinnt und führte mit ihnen be-ständig einen kleinen Krieg. Dies bewog Gustav Adolph mit seinerHauptmacht nach Donauwörth zu marschiren, nachdem er den PrinzenWilhelm von Sachsen-Weimar mit einer Heeresabtheilung in Baiern aufder rechten Seite der Donau zurückgelassen, Hörn aber mit einer andernTruppcnabtheilung nach Schwaben und an den Oberrhein abgesandthatte. Indessen führten der Rheingraf, der Landgraf von Hessen-Kasselund der Herzog Bernhard von Sachsen-Weimar mit Erfolg Krieg zwischenden Flüssen Rhein, Main, Nahe und Mosel, eroberten dort alle wichtigstenPunkte und verdrängten die Spanier.
§.40.Lage der beiden kriegführenden Parteien im Frühjahre 1632.Im Frühjahre 1632 änderte sich die politische Läge beider krieg-führenden Parteien. Die umfangreichen und wichtigen von GustavAdolph erreichten Erfolge erregten allgemeine Besorgniss. Die Prote-stanten und Katholiken Deutschlands, sowie auch die europäischenMächte hegten die Befürchtung, dass Gustav Adolph, von Ehrgeiz unddurch die gewonnenen Erfolge hingerissen, die Absicht haben könnte,seine Macht über Deutschland zu befestigen, und die Katholiken be-fürchteten noch ausserdem, dass er dem katholischen Glauben einen har-ten Schlag beibringen könnte. Besonders Richelieu sah die Nothwendig-keit, den weitern Erfolgen Gustav Adolph's Schranken zu setzen, undindem er- sich bemühte, den eigentlichen Zielen und Absichten GustavAdolph's auf den Grund zukommen, war er bereit, gegen ihn Frankreichvorzuschieben, für den Fall, dass er über den Kaiser und die Katholikenein noch bedeutenderes und für Europa gefährliches Uebergewicht er-langen sollte. Wirklich befand sich Gustav Adolph damals auf derhöchsten Stufe der Macht, der Kaiser hingegen in der verzweifeltstenLage. Nachdem er sich vergebens mit Bitten an England, Frankreich,an die italienischen Fürsten und an den Papst gewandt, ebenso ver-gebens sich bemüht hatte, mit dem Kurfürsten von Sachsen Frieden zuschliessen, sah er sich endlich genöthigt, zu Wallenstein seine Zufluchtzu nehmen, der allein bei den damaligen Zuständen ihn retten konnte,und auf die hochfahrenden, sogar für die kaiserliche Würde demüthigen-