4. Zweite Periode des dreissigjährigen Krieges (1630—1634). 81
Position des Kurfürsten und Tilly's überzeugt, die sich hinter einer zurSeite der Schweden hin vorspringenden Biegung des Lech befand, dessenlinkes Ufer eine niedrige, sumpfige Fläche beherrscht und am rechtenUfer die Position der Katholiken von dem Flusse selbst trennte, so [ent-schied er sich, mit Gewalt an dieser Stelle über den Lech zu gehen, umschneller den Kurfürsten und Tilly zu überfallen und zu schlagen unddurch einen kühnen Uebergang vor ihren Augen und durch Angriff inihrer eigenen Position, die sie für uneinnehmbar hielten, sie und ihreTruppen moralisch zu erschüttern und zu schrecken. Unter der Deckungeines Feuers aus 72 Kanonen setzte er einen Theil der Truppen über denLech, errichtete in zwei Tagen eine durch Erdwälle gedeckte Brücke, führteüber dieselbe (6. April) das Fussvolk und schickte die Keiterei ab, denLech etwas oberhalb der Position des Feindes zu durchwaten. Der Kur-fürst und Tilly verliessen mit ausgesucht guten Truppen ihre Positionund griffen die Schweden an, erlitten aber grossen Verlust durch dasKreuzfeuer der schwedischen Artillerie und wurden selbst in der Frontevon der schwedischen Infanterie und in der Flanke von der schwedischenKeiterei angegriffen. In dem hartnäckigen Kampfe, der in Folge dessenzwischen dem Lech und der Position des Kurfürsten und Tilly's ent-brannte, wurde letzterem von einer Kanonenkugel ein Fuss abgerissen;Altringer, der seine Stelle vertrat, ward auch schwer am Kopfe verwun-det ; die Truppen des Kurfürsten und Tilly's geriethen in Unordnung undflüchteten in ihre befestigte Position, in welcher sie in Folge einge-brochener Dunkelheit und gänzlicher Erschöpfung der Schweden vondiesen nicht angegriffen wurden. Der Zweck Gustav Adolph's war voll-ständig erreicht ■ die Armee des Kurfürsten und Tilly's war so in Un-ordnung gerathen und entmuthigt, dass der Kurfürst vor Tagesanbruchsich nach Neuburg und weiter nach Ingolstadt zurückzog. Es ist nichtbekannt und auch nicht zu begreifen, warum Gustav Adolph ihn nichtverfolgte. Nachdem der Kurfürst im Kampfe am Lech und auf dem Eück-zuge gegen 4000 Mann Truppen verloren hatte, stellte er sich auf demlinken Donauufer, Ingolstadt gegenüber, im befestigten Lager auf.Gustav Adolph aber nahm Kain, alle Punkte am Lech bis nach Augsburghin, zog' in Augsburg selbst ein, dessen Einwohner ihm Treue gelobten,rückte nach Ingolstadt vor, belagerte es, wies die vom Kurfürsten ihmgemachten Vorschläge betreffs Unterhandlungen wegen eines Waffenstill-standes und späteren Friedensabschlusses zurück; traf aber keine An-stalten, um die Verbindungen des Kurfürsten mit Böhmen und Oesterreichabzuschneiden. Auf diese Weise zog sich der Kurfürst unbelästigt überNeustadt nach Kegensburg zurück, das er durch List einnahm (trotzdem,dass diese Stadt die Kechte einer freien Reichsstadt genoss) und sichertedadurch völlig seine Verbindungen mit Böhmen. Gustav Adolph hob die
Galitzin, Allgem. Kriegsgeschichte. 111,1. 6