Druckschrift 
Abth. 3, Die Neuzeit Bd. 1 (1874) Kriege der I. Hälfte des XVII. Jahrhunderts, der Dreissigjährige Krieg : 1618 - 1648
Entstehung
Seite
80
Einzelbild herunterladen
 

80 I- Dreissigjähriger Krieg.

tischen Truppen. In Mähren, Oesterreich, Tirol, Baiern und Italienwurden Truppen geworben, aber schnelle Hülfe konnte von ihnen nichterwartet werden.

Solch ein bedeutendes Uebergewicht Gustav Adolph's und der Pro-testanten an Truppen, Mitteln und Vortheilen jeder Art über den Kaiserund die Katholiken munterte sie zu weiterem thätigen und entscheiden-den Vorgehen gegen Baiern und den Kaiser auf.

§.39.Der Marsch Gustav Adolph's nach Baiern. Uebergang über den Lech.

In der That, nachdem Gustav Adolph Oxenstjerna und den HerzogBernhard von Sachsen-Weimar auf der linken Seite des Rheins im Elsasszurückgelassen, dem Landgrafen von Hessen-Kassel den Auftrag er-theilt hatte, den Kurfürsten von Köln und andere rheinische katholischeFürsten zu beobachten, Tott und den Truppen des niedersächsischenKreises aber, gegen Pappenheim an der Weser zu agiren, concentrirte erAnfang März bei Kitzingen in Franken am Mittelmain seine Hauptmacht,gegen 45,000 Mann stark, indem er zu seinen Truppen noch die Horn's,Baner's und des Prinzen Wilhelm von Sachsen-Weimar hinzuzog, undtrat am 18. März seinen Marsch über Windsheim nach Nürnberg an.Tilly, der bis dahin im Bisthum Bamberg in Quartieren gestanden, zogsich vor den Schweden über Forchheim und Erlangen an Nürnberg vor-über und über Neumarkt nach Ingolstadt zurück, wo er die Donau über-schritt und sich hinter dem Lech in der Nähe des Städtchens Rain nieder-liess. Gustav Adolph rückte in Nürnberg ein, dessen Einwohner ihn mitEnthusiasmus empfingen und von Neuem schwuren, treue Verbündete derSchweden zu sein. Aus Nürnberg setzte Gustav Adolph seinen Marschhinter den Truppen Tilly's fort bis Neumarkt, von wo aus er sich nachDonauwörth wandte. Nachdem er die Schellenberg'schen Festungswerkevor der Stadt genommen hatte, zwang er den Herzog von Lauenburg,der die Truppen des Kurfürsten von Baiern befehligte, sich hinter dieDonau zurückzuziehen, nahm die Stadt Donauwörth selbst ein und ent-sendete Hörn mit einer Heeresabtheilung nach Schwaben zur Einnahmevon Ulm und anderer am linken Donauufer belegener Punkte, was auchvon Hörn ausgeführt wurde. Aus Donauwörth marschirte Gustav Adolphgeradaus zum untern Lech hin, hinter welchem Tilly und der Kurfürstvon Baiern mit ihren Truppen, gegen 40,000 Mann stark, in einer be-festigten Position zwischen der Donau und Rain sich aufgestellt hatten;vor sich hatten sie den Lech und hinter sich das Flüsschen Ach. Rain,alle Punkte am Lech bis Augsburg und Augsburg selbst waren von denTruppen des Kurfürsten und Tilly's besetzt und alle Brücken auf demLech zerstört. Nachdem sich Gustav Adolph von der Schwäche der