4. Zweite Periode des dreissigjährigen Krieges (1630—1634). 79
Nördlingen zurückzuziehen. Darauf quartierte er seine Truppen auf derlinken Seite der Donau ein, von den Grenzen Böhmens bis zum Neckarund nach Würtemberg. Aber Hörn marschirte zum Neckar, nahm Heil-bronn ein und zwang die am Neckar stationirten Truppen Tilly's, sichzur Donau zurückzuziehen, säuberte fast ganz Schwaben von den katholi-schen Truppen und indem er sich dann nach Franken wandte, nahm erBamberg ein, wurde aber bald darauf von Tilly zum Rückzug nachSchweinfurt gezwungen.
§. 38.
Lage und Streitkräfte der beiden kriegführenden Parteien im
März 1632.
Im März des Jahres 1632 —■ fünf und einen halben Monat nach derSchlacht bei Breitenfeld — hatten Gustav Adolph und die deutschenProtestanten schon 140,000 bis 150,000 Mann Truppen, von denen dieHauptmacht (gegen 100,000 Mann) am Mittelrhein, in Franken und Böh-men sich befand, die übrigen Truppen aber in West- und Norddeutsch-land bis zu den Ufern des baltischen Meeres und der Oder vertheilt waren.Ausserdem wurden auf dieser ganzen Strecke eifrige Werbungen ge-macht. Alle protestantischen Fürsten Deutschlands standen gerüstet undim Bunde mit Gustav Adolph gegen den Kaiser und die Katholiken.Von'den europäischen Mächten half Frankreich Gustav Adolph und denProtestanten durch politische Massregeln, welche die Abrüstung, dieUnthätigkeit und Neutralität des grössten Theils der rheinischen katho-lischen Fürsten zur Folge hatten. Der übrige Theil der Letztern wurdedazu durch Gewalt gezwungen. Die schwedischen und protestantischenTruppen standen schon an den Grenzen Baierns und der Erblande desKaisers und schnitten sie durch ihre Aufstellung von den katholischenRheinlanden ab. Der Kurfürst von Baiern, der für seine BesitzungenGefahr fürchtete, war unzuverlässig. Oberösterreich war in vollem Auf-stande, dieTürkei schien bereit an Oesterreich den Krieg zu erklären, Spa-nien war in Unthätigkeit in den Niederlanden versetzt, die Schweiz be-günstigte die Schweden und Protestanten. Und zu alle dem kam noch,dass die Streitkräfte des Kaisers und der Katholiken die unbedeutendstenwaren, nicht mehr als 80,000 Mann Truppen ausmachten, von denen60,000 Mann desorganisier, entmuthigter Truppen auf der linken Seiteder Donau sich befanden, und zwar in der Ausdehnung von Schwabenbis Mähren, als einzige Deckung Baierns und der Erblande des Kaisers ;die übrigen Truppen aber (gegen 20,000 Mann) lagen theils in kleinenAbtheilungen im Felde, theils in Garnisonen in Schlesien, im nieder-sächsischen Kreis, in Westphalen, zwischen Elbe, Weser und Rheinund hielten sich nur mit Mühe gegen die ihnen überlegenen protestan-